Archiv für August 2009

wahre worte #2

kriegs_fest

Am 18.09.2009 will die Stadt das »25-jähriges Jubiläum der Patenschaft der Stadt Oldenburg zu den Einheiten der Bundeswehr am Standort« abfeiern. 1984 übernahm die Stadt Oldenburg offiziell die Patenschaft zur 11. Panzergrenadierdivision. Nachdem ab 1993 die Patenschaft zwischenzeitlich auf das Verteidigungsbezirkskommando 24 übergegangen war, hat seit Juni 2007 die Luftlandebrigade 31 »Oldenburg« die Trägerschaft inne. Die Luftlandebrigade 31 ist einer von drei Großverbänden der Division Spezielle Operationen der Bundeswehr. Unter ihrem Motto »einsatzbereit – jederzeit – weltweit« beteiligt sie sich unter anderem an der Verteidigung Deutschlands am Hindukusch, also der blutigen Besetzung Afghanistans.

Neues deutsches Grossmachtsstreben gehört natürlich gefeiert. Und so will sich die Bundeswehr ab 10.00 Uhr auf dem Pferdemarkt »mit vielen interessanten Aktionen und Vorführungen« präsentieren. »Zahlreiche Infostände informieren über die Arbeit der Reservisten- und Traditionsverbände, die Militärseelsorge sowie über die Aktion „Gelbes Band“ und den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Für die Kinderbelustigung sorgt die Oldenburger Johanniter Jugend mit einer Hüpfburg, einer Kletteranlage und einem Spielmobil«. Auch eine Gulaschkanone darf nicht fehlen, denn Militarisierung geht ja bekanntlich auch durch den Magen.
In Hannover gab`s übrigens am 28.8. Proteste gegen ein Sommerbiwak der 1. Panzerdivision der Bundeswehr [Info]. Schön zu sehen, dass sowas wie antimilitaristischer Widerstand nicht nur in Strasbourg, sondern auch in Deutschland noch möglich ist.

der 3. und 4. spieltag

Nach dem torlosen Spiel beim VfL Bückeburg am 23. 8. machte es der VfB beim Derby gegen den BV Cloppenburg um einiges besser. Mit einem 1:3 durch die Tore von Steve Sam (5./0:1), Thomas Friauf (61./0:2), Florian Greve (Foulelfmeter, 81./1:2) und Christian Thölking (Foulelfmeter, 90+4./1:3 ) endete das Spiel und brachte dem VfB endlich den ersten Sieg der Saison.


next: 06.09.2009 VfB – VfL Oythe

demo gegen lager und abschiebungen

Am letzten Freitag demonstrierten – fiesesten Regenschauern trotzend – an die 100 Menschen mit und ohne deutschen Pass »gegen Abschiebungen, Lagersysteme und Frontex« [Info]. Die unangemeldet Demo begann gegen 12 Uhr mit einer Kundgebung am Bahnhof und zog dann über den Stadtring zum Alhambra. Von da aus machten sich noch einmal rund 50 Leute zu einer Fahrraddemo zum Abschiebelager Blankenburg auf, vor dessen Toren eine weitere Kundgebung stattfand. Die anwesenden Bullen zeigten sich fast die gesamte Zeit über sehr zurückhalten – … aber leider eben nur fast die ganze Zeit. Als die Kundgebung vor dem Lager eigentlich schon beendet und nur noch etwa 20 Leute anwesend waren, stürmte ein halbes dutzend Robocops auf eine Aktivistin zu und zwangen sie zur Herausgabe ihrer Personalien. Der Grund: Sie sollte nach Meinung des Bulleneinsatzleiters Norbert Münch die Versammlungsleiterin gewesen sein. Mit dieser Aktion zeigten die Bullen nicht nur einen völligen Unverstand über linke Strukturen, welche nunmal nicht von irgendwelchen »Leitern« befehligt werden; sie stellt auch einen weiteren Angriff auf das seit Jahrzehnten gängige Oldenburger Demonstrationsrecht dar, welches immerwieder gegen übereifrige Einsatzleiter und ihre Schergen verteidigt werden konnte.

god bless the queen

Hoher Besuch: Angela Merkel und ihr Gefolge kommen am nächsten Freitag nach Oldenburg – und zwar auf den Pferdemarkt. Einlass ist dort ab 15.00 Uhr; dann beginnt um 16.00 Uhr das Vorprogramm, u. a. mit dem Waffenwart Thomas Kossendey, der Volksamme Ursula von der Leyen und dem niedersächsischen Hofnarren Lutz Stratmann. Ab 17.00 Uhr gibt`s dann endlich die Ansprache ihrer Majestät. Der Pöbel möge sich eines kultivierten Gebarens versuchen.

osternburger feierei

Spätsommertraditionen im schönsten Stadtteil Oldenburgs – dem roten Osternburg. Los geht`s am kommenden Samstag mit dem Siedlungsfest auf »Kamerun«. Kinderzirkus, Kuchen, Büffet und Party rufen von 15 Uhr bis spät in die Nacht alle FreundInnen der proletarischen Oase. Eine Woche später, am 5. September, gibt`s dann ab 15 Uhr in der Breslauer Straße das alljährlich Straßenfest der Wohninitiative [Info] mit Hüpfburg, Flohmarkt, Tombola, Lichterzauber und Leckereien.

dritte igs…


… auch nur ein kleineres Übel – aber immerhin.

streik hinter den kulissen

Am 25. August sind rund 70 BühnentechnikerInnen, BeleuchterInnen, RequisiteurInnen, SchneiderInnen, … des Oldenburgischen Staatstheaters in einen unbefristeten Streik getreten. Hintergrund ist der seit langer Zeit schwelender Tarifkonflikt zwischen dem Land Niedersachsen und der Gewerkschaft ver.di. Es geht vorallem um den Erhalt von Zulagen für Schicht- und Sonntagsarbeit – die Theaterbetriebszulage (TBZ). Diese Theaterbetriebszulage in Höhe von 22% des Bruttolohns im Bühnenbereich bzw. 13% des Bruttolohns in den Werkstätten sowie 4 Ausgleichstage pro Jahr erhalten die Beschäftigten seit mehr als 40 Jahren. TBZ und Ausgleichstage sollen einen Ausgleich für die unregelmäßigen Arbeitszeiten, die überwiegenden Spätdienste, sowie für Arbeiten an Wochenenden und an Sonn- und Feiertagen darstellen. Das Land Niedersachsen will die TBZ nun massiv kürzen, was für die Beschäftigten eine finanzielle Verschlechterung im dreistelligen Euro-Bereich bedeuten würde.

the truth lies in rostock

Vom 22. bis 26. August 1992 kam es in Rostock-Lichtenhagen zum größten rassistischen Pogrom der Nachkriegszeit in Deutschland. Tausende ganz normale AnwohnerInnen klatschten, johlten und fraßen Bratwurst, während ihre Söhne gemeinsam mit organisierten Nazis tagelang versuchten MigrantInnen zu verbrennen oder zu lynchen.

Teil 1/9 (mehr…)

ol crime, part 13

Pressemeldung der Polizei Oldenburg vom 20.08.2009 | 14:24 Uhr:
»POL-OL: Am Donnerstagvormittag führte die Polizei in der Mottenstraße eine Verkehrskontrolle durch. Innerhalb lediglich einer Stunde wurden 31 Fahrradfahrer festgestellt, welche sich verbotswidrig in der Fußgängerzone auf dem Drahtesel fortbewegten. Der Jüngste war 15 Jahre, der Älteste 58 Jahre alt. Bis auf zwei Verkehrsteilnehmer wurde der Verstoß eingesehen und die dadurch hervorgerufene Gefahr für Fußgänger erkannt. Für den Verstoß ist ein Verwarngeld in Höhe von EUR 10,- vorgesehen.«


… [part 5] [part 6] [part 7] [part 8] [part 9] [part 10] [part 11] [part 12]

abschiebungen, lagersysteme, frontex

Am Freitag, dem 28. 08. 2009 findet um 12.00 Uhr am Bahnhofsvorplatz eine Kundgebung »gegen Abschiebungen, Lagersysteme und Frontex« statt. Anschließend soll es eine Fahrraddemo zum Abschiebelager Blankenburg geben. Dort gibt es dann gegen 14.00 Uhr eine weitere Kundgebung vor den Toren des Lagers. Veranstalterin ist das »Antira-Plenum Oldenburg/Blankenburg/Bramsche«, welche sich mit den Kundgebungen an den bundesweiten Aktionen [Info] rund um den »Tag ohne Abschiebungen« beteiligt, um »gegen das System der Migrationskontrolle, gegen die Selektion von ‚Ausländern’ und Flüchtlingen und gegen die Brutalität des Abschiebesystems« zu protestieren.

Hier nun der Aufruf in voller Länge: (mehr…)

vwg sorgt für sicherheit

Die Oldenburger BusbenutzerInnen können endlich aufatmen. Die VWG will »in mehr Sicherheit« investieren und nun sämtliche Busse mit Kameraüberwachung ausstatten. Dadurch soll Vandalismus in den Bussen verhindern und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste erhöht werden. Wahrlich keine neue Argumentation – doch eigentlich gelten Linienbusse nicht gerade als Kriminalitätsschwerpunkte. Mit Ausnahme des Schwarzfahrens natürlich, welches die VWG aber mit ihrer »Schwarzfahrerfrei«-Kampagne – welche nicht anderes bedeutet, als dass nur die Vordertüren zum Einsteigen geöffnet werden und die als FahrerInnen angestellten sich nun auch noch als Kontrolleure sämtlicher Fahrgäste betätigen müssen – nahezu unmöglich gemacht wurde. Also stand die VWG vor dem Problem, wie eine Videoüberwachung durchzusetzen sei. Wie gerufen kam da eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen einer 36-jährige Fahrerin und einer 25-jährigen Frau am Dienstagnachmittag am ZOB, in dessen Folge die Fahrerin u.a. mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus landete. Nun sollen angeblich auch die BusfahrerInnen vor Übergriffen geschützt werden – fertig. Dass der offizielle Anlass für die »Sicherheitsinitiative« garnicht in einem Bus stattfand interessiert dabei ebensowenig wie die Tatsache, dass der Angriff auf die Fahrerin auch trotz Videoüberwachung stattgefunden hätte. Auch dass es wohl das erste Mal ist, dass sich die VWG um das Wohl ihrer Angestellten, welche zu immer beschisseneren Bedingungen malochen müssen, kümmert, scheint keine Zweifel an dem Ansinnen aufkommen zu lassen.


BusfahrerInnen als WärterInnen

Zum angeblichen Anstieg des Vandalismus in den Bussen sagte Morell Predoeh, der Abteilungsleiter der VWG: »Das ist eine schleichende Entwicklung. Wir dürfen hier nicht tatenlos zuschauen«. Diese Sätze kann mensch so stehenlassen – allerdings eher im Bezug auf den zunehmenden Abbau persönlicher Freiheit und den Aufbau eines totalen Überwachungssystems.

10.850

Täglich fahren durchschnittlich rund 30 Güterzüge durch Oldenburger Wohngebiete, »die entweder ausschließlich oder anteilig Gefahrgut befördern« – jährlich also in etwa 10.850. An Bord haben sie so illustre Stoffe wie Flüssigschwefel, Vinylchlorid, Propan, Butan, …

Mehr dazu: [upps – güterwaggon entgleist] [freie fahrt für gefahrgut]

»ernesto alias ernst«

Am 1. September gibt`s um 20 Uhr im Rahmen des »Subklub« im Alhambra eine Veranstaltung mit Ernesto Kroch. Ernesto`s Lebensgeschichte ist durch ein doppeltes Exil geprägt: Aufgrund der Verfolgung, der er als deutsch-jüdischer Kommunist nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten ausgesetzt ist, flieht er 1938 nach Lateinamerika. Als in den 70er Jahren eine Militärdiktatur in Uruguay die Macht übernimmt, ist er gezwungen, den umgekehrte Fluchtweg zu wählen und Asyl in Deutschland zu suchen. Seit 1985 lebt Ernesto wieder in Montevideo und ist als engagierter Linker weiterhin in sozialen Basisorganisationen und im Umfeld des Linksbündnisses »Frente Amplio« aktiv. Seine Lebensgeschichte hat Ernesto selbst in seinem Buch »Heimat im Exil – Exil in der Heimat« erzählt. Die Informationsstelle Lateinamerika (ila) hat Ernesto im Februar 2007 eine komplette Sondernummer zu seinem 90. Geburtstag gewidmet. Der Filmemacher Martin Keßler hat seine Lebensgeschichte filmisch dokumentiert [Info].

Am 1. September wird Martin Keßler zu Beginn eine Kurzfassung seines Films zeigen, dann folgt ein Gespräch mit Ernesto Kroch und eine Lesung von Passagen aus seiner Autobiografie. Veranstalter ist die Oldenburger Rechtshilfe. Unterstützt wird diese Veranstaltung von der Stiftung Bildung und Solidarität, der GEW Oldenburg und der DGB-Jugend Oldenburg.

dressed to misbehave


http://www.diraction.org/