»selbstorganisiertes lernen«

Ab Sommer 2009 will die »Freie Demokratische Schule NordWest e.V.« in Oldenburg eine Primar-Ersatzschule, also einen Grundschulersatz, eröffnen. Der Verein orientiert sich an den Ideen von Maria Montessori und Rebeca und Mauricio Wild und will »eine Grundschule ermöglichen, in der neben dem eigenverantwortlichen und selbstorganisiertem Lernen demokratische Prinzipien an erster Stelle stehen«. In den Grundsätzen der »Freien Schule« heißt es: »Jeder Mensch lernt unterschiedlich schnell, hat unterschiedliche Interessen in einer Lebensstufe, umgibt sich gerne mit Menschen unterschiedlichen Alters, möchte in seiner Person respektiert werden und möchte gleichberechtigt sein. Wenn ein Mensch das lernen darf, was für ihn von Interesse ist, dann findet ein effizientes, lang anhaltendes und tiefgründiges Lernen statt. Verbunden mit Spaß und Freude daran«.
Momentan steht die Schule mit 5 LehrerInnen und bisher 12 SchülerInnen (geplant sind 24) in den Startlöcher und wartet auf die letzten Bestätigungen des Kultusministeriums und der Baubehörde. Ob die »Freien Schule« halten kann, was sie verspricht? Oder stellt sie doch nur eine subtilere Form der gegenwärtigen schulischen Repression dar? Oder rutscht sie ins Esoterische ab? …. Das wird sich zeigen. Aber erstmal ist ihr wohl alles Gute zu wünschen.


3 Antworten auf “»selbstorganisiertes lernen«”


  1. 1 Entdinglichung 24. Juli 2009 um 10:42 Uhr

    beim Namen »Freie Demokratische Schule NordWest e.V.« musste ich spontan an eine Partei denken

  2. 2 Rakete 24. Juli 2009 um 11:30 Uhr

    Montessori hat nix mit emanzipatorischer Pädagogik zu tun:

    „Die kosmische Erziehung umfasst die Lehre und Auseinandersetzung mit der Umwelt (=Weltall, Erde, kindliche Umgebung,…).

    Montessori sieht überall in der Natur eine kosmische Ordnung realisiert, in der alle Dinge des Universums Teile eines großen Ganzen und miteinander verbunden sind.

    Der Mensch ist zeitlebens für seinen Lebensraum, den Kosmos, verantwortlich. Er erhält einen kosmischen Auftrag durch die kosmische Erziehung. Lehrplanmäßig umfasst die kosmische Erziehung die Inhalte des Heimat- und Sachkundeunterrichts der Regelschulen. Dort werden die Lerninhalte in der Regel vom Einzelnen zum Ganzen durchgenommen. Die kosmische Erziehung, die schon im Kinderhaus beginnt, geht vom Ganzen, dem Kosmos, aus und bindet das Kind entsprechend seiner Entwicklungsphase in unser ganzes System ein. Das Kind erhält zuerst eine Übersicht, ein Ordnungschema vom Globalen und dann immer mehr Einzelheiten. Kosmische Erziehung erschöpft sich nicht in Behandlung von Sachkundethemen, sondern ist Teil des gesamten schulischen Geschehens und somit Grundhaltung einer ganzheitlichen Erziehung.“

    Quelle: http://www.stepnet.de/privat/seigel/Montessori/montessori.htm

  3. 3 sabcat 02. August 2009 um 20:35 Uhr

    „Freie Demokratische Schule“ ist nach Aussage der Initiative zunächst nix als ein Arbeitstitel mit welchem nur der Status als „Ersatzschule“ und der „basisdemokratische“ Entscheidungsprozess im Schulalltag beschrieben wird. Alle Mitglieder der Schule haben auf der wöchentlichen Schulversammlung eine Stimme und entscheiden dort über ALLE Angelegenheiten im Schulalltag. Junge Menschen können dort somit ihren Schulalltag selbstorganisieren – Anhänger von repräsentativen Formen der Demokratie kommen damit erfahrungsgemäß nich sehr gut klar.
    Das „Freie“ bezieht sich zudem noch auch die Freiwilligkeit der Unterrichtsteilnahme und der Freiheit, sich das Geld für den Schulbetrieb selbst beschaffen zu müssen :)
    Bezogen auf Montessori ist es richtig, dass die Schule Ansätze dieser Pädagogik umsetzt. Die Termini der „Vorbereiteten Umgebung“ wurde numal von dieser Frau geprägt. Trotdzem geht die Schule mit diesem Ansatz selbstkritisch und reflektiert um. D.h. der repessive und „kosmische“ Charakter des Konzeptes von M.M. (die niemals selbst pädagogisch gearbeitet hat) ist durchaus bekannt und wird keinesfalls an der Schule umgesetzt. Vielmehr hätte ebensogut Francisco Ferrer, Celestin und Elise Freinet, Janusz Korzsak und andere Pädagogen angeführt werden können. Bei aller berechtigten Kritik sollte Mensch immer berücksichtigen, in welchem Prozess sich diese Initiative zur Zeit befindet – nämlich im Genehmigungsverfahren durch das Kultusministerium. Deshalb ist die Aufzählung der Pädagogen und Pädagoginnen in dem Konzept vielleicht etwas moderater, als mensch es von einer alternativen Schulinitiative erwarten würde. Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass mit der Initiative offen diskutiert werden kann …nutzt dies einfach!

    Libertäre Grüße!

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


+ sechs = acht