vermarktung durch blindgänger

Es kommt wohl weiter Bewegung in die Frage der Nutzung der geschlossen »Donnerschwee Kaserne« und des ehemaligen Fliegerhorstes der Bundeswehr an der Alexanderstraße/Metjendorfer Landstraße. Die beiden riesigen Liegenschaften sind in Besitz der »Bundesanstalt für Immobilienaufgaben« (BIMA) und sind seit Jahren (größtenteils) ungenutzt. Seit kurzem liegt nun ein von der Stadt und der BIMA in Auftrag gegebenes Gutachten zur Verwertbarkeit der ehemaligen Bundeswehr-Areale vor, welches im September im städtischen Bauausschuss erörtert werden soll. Nach Aussage von Hans-Jürgen Brunkhorst von der BIMA solle sich daraus ergeben, dass eine Vermarktung des Fliegerhorstes aufgrund vieler ‚Blindgänger‘ aus dem Zweiten Weltkrieg im Kernbereich des Geländes, welche vor einer Neubebauung eine flächendeckende Räumung erfordern würden, gefährdet wäre. Es könne sein, »dass das Gelände unverkäuflich wird«. Die ehemalige Donnerschwee Kaserne lasse sich dagegen kurzfristig vermarkten – mit »Wohnungsbau, hochwertigen Stadtvillen und Dienstleistung«. Und das ist wohl nun auch der Plan der BIMA – keine gute Nachricht also für die Leute in Donnerschwee.
Wie berichtet plant der Verein »Bunte Klinke« auf dem Kasernengelände ein alternatives Wohnprojekt mit Abenteuer-/Bauspielplatz, Skaterbahn, Jugendhaus, Raum für Kunst, Musik, Programmkino, Tanz, einem Bildungshaus, sowie einen Nachbarschaftstreff zu schaffen. Wohl davon inspiriert überlegte das Stadtplanungsamt und das Jugendamt dort einen Ort zu schaffen, an dem »Kinder und Jugendliche sich treffen, sich austoben und neue Erfahrungen machen können«.
Die Stadt hat die Planungshoheit für die beiden Areale und kann somit, zumindest in Form eines Veto`s, Einfluss auf alle Entwicklungen nehmen. Doch so wie man die Oldenburger Stadtverwaltung kennt, wird sie wohl – zumindest solange ihr nicht massiver Gegenwind ins Gesicht schlägt – den Plänen der BIMA stattgeben. Also mal wieder exklusiver »Wohnungsbau, hochwertige Stadtvillen und Dienstleistung« anstatt eines lebendigem Stadtteilzentrums mit viel Kultur und Freiraum für alle. Ganz toll …
Zumindest könnte sich aber im Bezug auf den ehemaligen Fliegerhorst (mit einer Fläche von 195 Hektar) durch das Gutachten noch eine positive Wende ergeben. Vor etwa 2 Jahren präsentierte der Verein »Bürgerpark Alexanderheide« den Plan, dort einen Bürgerpark zu errichten. Die vorhandenen Grünflächen sollten der Allgemeinheit nutzbar gemacht, die durch Beton und Asphalt geplätteten Flächen der Natur zurückzugeben und die kanalisierte Ofener Bäke renaturiert werden. Die ehemaligen Hangar für Kriegsflugzeuge sollten zu einem Kultur- und Bildungszentrum für Kulturveranstaltungen, Workshops, Inszenierungen, usw. werden. Das wäre ja zumindest Etwas.


3 Antworten auf “vermarktung durch blindgänger”


  1. 1 Administrator 17. Juli 2009 um 20:57 Uhr

    NWZ, 16.7.09:

    Blindgänger auf Fliegerhorst
    STADTENTWICKLUNG Bund möchte Donnerschwee Kaserne selbst vermarkten

    DAS GUTACHTEN FÜR BEIDE AREALE LIEGT VOR. ES SOLL IM SEPTEMBER IN DEN BAUAUSSCHUSS.

    VON MICHAEL EXNER

    OLDENBURG – Blindgänger gefährden die Verwertung des Fliegerhorstes, die Donnerschwee Kaserne lässt sich dagegen kurzfristig vermarkten – was der Bund auch beabsichtigt. Das Fazit zieht Hans-Jürgen Brunkhorst von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) aus der vorläufigen Fassung des Gutachtens, das Bima und Stadt zur Verwertbarkeit der ehemaligen Bundeswehr-Areale in Auftrag gegeben haben.
    Das Ergebnis spreche zwar nicht gegen das Stadt-Konzept für den Fliegerhorst (Wohnen, Dienstleistung, Gewerbe, Sport und Freizeit), „es gibt aber ein Altlastenproblem“, sagte Brunkhorst, der als Bima-Direktionsbeauftragter für die Region zuständig ist. Im Kernbereich des Fliegerhorstes (nicht um die Landebahn) lägen so viele Blindgänger, dass Neubauten eine flächendeckende Räumung erforderten – „und das kostet richtig Geld“; wie viel, werde gerade geprüft. Er wolle nicht ausschließen, „dass das Gelände unverkäuflich wird“.
    Dagegen lasse sich die Donnerschwee Kaserne laut Gutachten vermarkten – mit Wohnungsbau, hochwertigen Stadtvillen und Dienstleistung. Die Bima sei bereit, einen Bebauungsplan zu finanzieren und die Vermarktung selbst zu übernehmen.
    Eine von verschiedenen Vereinen angedachte Zwischennutzung von Sportanlagen sieht Brunkhorst mit leichter Skepsis: „Dann sollte die Stadt die Flächen übernehmen und den Vereinen zur Verfügung stellen.“
    Oldenburgs Erste Stadträtin Silke Meyn wartet auf die Machbarkeitsstudie, die sie im September im Bauausschuss beraten möchte. Klagen über die brachliegenden Flächen kontert sie mit dem Hinweis, deren Verwaltung sei Sache des Eigentümers. Einen Bima-Alleingang fürchtet sie nicht: „Wir sind Träger der Bauleitplanung.“ Überbordende Eile habe die Stadt nicht, „Tatsache ist aber auch, dass die Kasernen nicht besser werden.“
    Angesprochen auf das angebliche Junktim, dass seine Behörde zwischen Fliegerhorst und Donnerschwee aufgestellt haben soll, bemüht sich Brunkhorst um Befriedung. „Das stammt aus der Zeit, als die Stadt glaubte, den Fliegerhorst kaufen zu können“, sagt er. Da habe er ins Spiel gebracht, dass man Donnerschwee in die Überlegungen einbeziehen müsse. Beim Fliegerhorst führe an einer europaweiten Ausschreibung ohnehin nichts vorbei, und für Donnerschwee sei er zuversichtlich: „Ich kann die Stadt aber nicht zwingen.“

    KOMMENTAR VON MICHAEL EXNER:

    Zwei in einem Boot

    So ändern sich die Zeiten: Sollte es tatsächlich ein Junktim zwischen der Verwertung von Fliegerhorst und Donnerschwee Kaserne gegeben haben, nimmt der Bund es jetzt zurück. Er möchte selbst schnell Donnerschwee vermarkten (weil das was einbringt) und den Fliegerhorst erst mal ruhen lassen (weil das Buddeln dort vermutlich teuer wird). Mit dem Junktim war’s ohnehin wie einst mit den Fliegerträumen: Beides scheitert am Tatsächlichen. Dem Bund gehört zwar das Gelände, aber die Stadt hat die Planungshoheit. Was sie nicht will, wird dort nicht geschehen. Das muss nicht zwingend zu Konflikten führen. Stadt und Bima sitzen in einem Boot, weil keiner ohne die andere Seite weiterkommt. Einfacher wird die Entwicklung dadurch aber auch nicht.

  2. 2 Administrator 20. Juli 2009 um 13:22 Uhr

    NWZ, 20.7.09:

    Kein Sport in früheren Kasernen
    BUNDESWEHRFLÄCHEN Stadt möchte Ergebnis der Verwertungs-Studie abwarten

    DIE VEREINE WÜRDEN GERN HALLEN UND PLÄTZE NUTZEN. DIE VERTRETER DES BUNDES VERWEISEN AN DIE STADT.

    VON MICHAEL EXNER

    OLDENBURG – Die Nutzung der Sportanlagen auf den ehemaligen Bundeswehrflächen rückt in weite Ferne. Nach den jüngsten Berichten über Altlasten sieht die Stadt den Fliegerhorst skeptisch – und die Donnerschwee Kaserne möchte der Bund möglichst zügig selbst vermarkten.

    „Bevor ich nicht weiß, was da liegt, würde ich niemanden rauflassen“, sagt die Erste Stadträtin Silke Meyn über den Fliegerhorst – mit Blick auf die Berichterstattung der NWZ. Da hatte am Donnerstag Hans-Jürgen Brunkhorst von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Ergebnis eines Altlastengutachtens knapp zusammengefasst: Die Vielzahl von Blindgängern mache bei Erdbewegungen eine flächendeckende Räumung erforderlich, die wegen der hohen Kosten zur Unverkäuflichkeit des Geländes führen könne.

    Das schließt Zwischennutzungen nicht aus. Gewerbebetriebe haben Hallen zur Lagerung gemietet, Landwirtschaftskammer und Arge betreiben dort ein gemeinsames Projekt, das THW ist ebenso präsent wie die Traditionsgemeinschaft mit ihrem Museum. Bei Vereinen indes, das gilt für Fliegerhorst wie Donnerschwee, ist Brunkhorst zurückhaltend: „Dann sollte die Stadt die Flächen übernehmen und den Vereinen zur Verfügung stellen.“

    Zur Donnerschwee Kaserne gab es erst jüngst einen Vorstoß des dortigen Bürgervereins. Der beklagte in Schreiben an Oberbürgermeister Gerd Schwandner und den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Kossendey (als Verteidigungs-Staatssekretär mit den Anlagen vertraut) den Zustand der ehemaligen Kaserne.

    Ausdrücklich wies der Verein darauf hin, dass der Sportentwicklungsplan von einer Übernahme des Sportplatzes durch die Stadt spreche und die Anlage als erhaltenswert einstufe. Auch für die Sporthalle gebe es eine Empfehlung. Zudem könne dort auch das (vom Zwangsumzug bedrohte) Pekol-Museum untergebracht werden.

    In Sachen Donnerschwee hält sich Silke Meyn bedeckt. Die Stadt sei (wie beim Fliegerhorst) nicht Eigentümer – und vor Festlegungen wolle sie die Machbarkeitsstudie zur Verwertbarkeit beider Areale abwarten, die im September dem Bauausschuss präsentiert werden soll.

  3. 3 Administrator 06. August 2009 um 11:27 Uhr

    NWZ, 6.8.09:

    Bürgerverein will auf Donnerschwee Kaserne aufpassen
    STADTENTWICKLUNG Alle warten zunächst auf den Rat – Bund plant europaweite Ausschreibung

    OLDENBURG – Der Bürgerverein Donnerschwee und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) wollen in Sachen Donnerschwee Kaserne in Kontakt bleiben. Das war am Mittwoch das Ergebnis eines Treffens unter der Regie des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Kossendey. Der war vom Bürgerverein um Vermittlung gebeten worden (die NWZ berichtete).

    Laut Kossendey will die BIMA zunächst abwarten, was der Rat im September vor dem Hintergrund des Gutachtens für Vorstellungen vom Bebauungsplan entwickelt. Danach werde die Bundesanstalt an die europaweite Ausschreibung des Areals gehen, an der sich auch Bietergemeinschaften beteiligen könnten. Das Interesse ziele auf einen Gesamtverkauf, ein Flickenteppich solle vermieden werden.

    Im Oktober will die BIMA auf dem Gelände zu einer generellen Informationsveranstaltung laden. Um zwischenzeitlich Vandalismus zu vermeiden, soll der Bürgerverein engen Kontakt zur BIMA halten und Hinweise liefern, wo Sicherheitsvorkehrungen zu treffen seien. Vor allem dieser Punkt hatte dem Bürgerverein am Herzen gelegen.

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