Archiv für Juli 2009

karl der käfer

Passend zur »Invasion der Marienkäfer« (NWZ), bzw. dem »Angriff der Roten Käfer Armee« (Bild) hier nun eines der besten Lieder der Jahres 1983 von »Gänsehaut«:

präventive maßnahmen

Am Montag informierte das Verteidigungsministerium in Berlin über die Neufassung der Einsatzregeln für die in Afghanistan eingesetzten BundeswehrsoldatInnen. Laut eines Ministeriumssprechers seien nun die Prioritäten in Gefechten »für den einfachen Soldaten« vereinfacht und deutlicher formuliert worden. »Vor allem der Aspekt, dass nicht erst auf einen Angriff gewartet werden muss, um militärische Gewalt gegensetzen zu können, sondern auch präventiv gearbeitet werden darf.« Vor Angriffen dürfen »geeignete Maßnahmen« angewandt werden. Ja, ja, mit »präventiven Maßnahmen« hat das deutsche Militär sowohl in der Vergangenheit, als auch in der jungsten Zeit, z.B. [hier], immer gute Erfahrungen gemacht.

Resultat »geeigneter Maßnahmen« in Afghanistan

»selbstorganisiertes lernen«

Ab Sommer 2009 will die »Freie Demokratische Schule NordWest e.V.« in Oldenburg eine Primar-Ersatzschule, also einen Grundschulersatz, eröffnen. Der Verein orientiert sich an den Ideen von Maria Montessori und Rebeca und Mauricio Wild und will »eine Grundschule ermöglichen, in der neben dem eigenverantwortlichen und selbstorganisiertem Lernen demokratische Prinzipien an erster Stelle stehen«. In den Grundsätzen der »Freien Schule« heißt es: »Jeder Mensch lernt unterschiedlich schnell, hat unterschiedliche Interessen in einer Lebensstufe, umgibt sich gerne mit Menschen unterschiedlichen Alters, möchte in seiner Person respektiert werden und möchte gleichberechtigt sein. Wenn ein Mensch das lernen darf, was für ihn von Interesse ist, dann findet ein effizientes, lang anhaltendes und tiefgründiges Lernen statt. Verbunden mit Spaß und Freude daran«.
Momentan steht die Schule mit 5 LehrerInnen und bisher 12 SchülerInnen (geplant sind 24) in den Startlöcher und wartet auf die letzten Bestätigungen des Kultusministeriums und der Baubehörde. Ob die »Freien Schule« halten kann, was sie verspricht? Oder stellt sie doch nur eine subtilere Form der gegenwärtigen schulischen Repression dar? Oder rutscht sie ins Esoterische ab? …. Das wird sich zeigen. Aber erstmal ist ihr wohl alles Gute zu wünschen.

neue alhambra-zeitung

Die Juli/August-Ausgabe der »Alhambra-Zeitung« ist jetzt online – wie immer als pdf.-Datei (3,5 MB). Ganze 40 Seiten voll mit guten Gründe gegen die Gesamtscheiße.

An dieser Stelle gibt`s jetzt mal das Editorial in voller Länge: »Osteuropa ist nicht gerade ein breit diskutiertes Thema in der bundesdeutschen Linken. Dementsprechend ist bei den Meisten auch nur recht rudimentäres Wissen über die dortige Bewegungslandschaft bekannt. Erklärtes Ziel unserer Beschäftigung mit Osteuropa war über die dortigen Zustände mehr zu erfahren. Ziemlich schnell mussten wir uns allerdings eingestehen, dass es mehr als anmaßend wäre Osteuropa in einer Ausgabe umfassend behandeln zu wollen. Schließlich ist es ebenfalls schwer vorstellbar und erscheint absurd, dass das Thema „Westeuropa“ umfassend auf wenigen Seiten behandelt werden würde. Wir haben also nicht den Anspruch ein überblickhaftes Bild von Osteuropa zu zeichnen. Ein solcher Anspruch wäre nichts als ein Ausdruck des Eurozentrismus, der Europa auf die EU reduziert. Vor dem Hintergrund, dass in der hiesigen Linken kaum ein Blick jenseits der Oder gerichtet wird, fanden wir es dennoch wichtig zumindest ein paar „Schlaglichter aus Osteuropa“ zu bringen. (mehr…)

menschenwürdiges leben mit drogen

Gestern am 21. Juli, dem Drogentotengedenktag, veranstaltete die Drogen-Selbsthilfe »JES Oldenburg« (* Junkies, Ehemalige und Substituierte) und die Oldenburger Aids-Hilfe eine Gedenkkundgebung mit Schweigeminute am Bahnhof. Im vergangenen Jahr waren vier UserInnen in Oldenburg an einer Überdosis Heroin gestorben, in diesem Jahr waren es bisher zwei. Die Zahl der KonsumentInnenen ist in den letzten Jahren wieder leicht gestiegen, etwa 300 von ihnen erhalten Ersatzstoffe wie Methadon.
»JES« will jedoch weit mehr, als nur der Opfer zu gedenken. Das Ziel ist eine »grundsätzliche Neuorientierung der deutschen Drogenpolitik, um ein menschenwürdiges Leben mit Drogen zu ermöglichen. Das heißt: Selbstbestimmtes Leben mit Drogen ohne Vorleistungen (etwa den Willen zur Abstinenz oder angepasstes Verhalten, um gesellschaftliches Wohlwollen zu erreichen)«. Als erste Schritte dazu sehen sie z.B. die Entkriminalisierung des Drogenkonsums und die Schaffung legaler Bezugs- , Versorgungs- und Konsumstrukturen für derzeit noch illegalisierte Substanzen als Grundbedingung für autonomen, kontrollierten, genussorientierten und souveränen Umgang mit Drogen, neue Drogen-Präventionskonzepte ohne Lebensstilvorgaben und moralische Appelle und die Einrichtung von Arbeits- und Beschäftigungsprojekten zur Wiedereingliederung drogenkonsumierender Frauen und Männer. Dabei sollen Selbsthilfeorganisationen von DrogenkonsumentInnen endlich als vollwertige und gleichberechtigte GesprächspartnerInnen wahrgenommen werden.

Konkret könnte in Oldenburg ein erster Schritt in der Einrichtung von schon seit Jahren geforderten »Druckräumen« bestehen – also Orten, in denen ein betreuter, angstfreier und hygenischer Heroinkonsum möglich ist. Dadurch könnte nicht nur ein einsamer Tod in einer Wohnung, einem Park oder Hinterhof durch eine Überdosis verhindert werden, sondern den ständig verfolgten und vertiebenen UserInnen auch ein wenig Menschenwürde zurückgegeben werden.

[NWZ: Schweigeminute für Drogentote] [NWZ: Rückkehr von Heroin]

va: massenproteste im iran

Am Freitag, dem 7. August referiert um 20 Uhr im PFL, Peterstraße 3, Mehran Barati über die Massenproteste und die Perspektiven der Opposition im Iran [Flugblatt]. Mehran Barati beteiligte sich mit 17 Jahren am sozialen Widerstand im Iran und musste wenig später flüchten. Heute lebt er in Berlin und unterstützt von dort aus die aktuelle Reformbewegung. Er ist allerdings nicht als Linker, sondern wohl eher als ein bürgerlicher Demokrat, welcher jedoch noch aufrichtig für universelle Menschenrechte eintritt, anzusehen.

Veranstalterin ist die neugegründete heterogene deutsch-iranische Initiative »Neda« (*Stimme) aus Oldenburg, welche auch schon mehrere Kundgebungen gegen das iranische Regime durchgeführt hat.

upps – güterwaggon entgleist

Upps, da ist es passiert. Am Abend des 21. Juli ist ein Waggon eines Güterzuges auf der Schienenstrecke im Oldenburger Stadtteil Osternburg entgleist. Der Lokführer fuhr einfach weiter und nach etwa 300 Metern sprang der über die Strecke holpernde Waggon, welcher Schotter geladen hatte, glücklicherweise von selbst wieder aufs Gleis zurück. Zu beklagen gab es lediglich Sachschäden an den Schienen. Das Ganze geschah in einem Bereich, in welchem die Wohnbebauung teilweise nur fünf Meter von der Strecke entfernt liegt. Nach dem schweren Unglück durch einen mit Flüssiggas beladenenen Güterzug in der italienische Hafenstadt Viareggio gab es auch in Oldenburg, wie berichtet, eine Debatte über eine Gefährdung der StreckenanliegerInnen durch Gefahrguttransporte. Eine Gefährdung sei unwahrscheinlich, da – wie man ja weiß – in Deutschland alles so unglaublich gut reglementiert und daher sicher sei (wie das AKW Krümmel zum Beispiel). Der gestrige Tag bewies eindrucksvoll das Gegenteil. Wäre der Waggon umgekippt und hätte es sich um einen Kesselwaggon mit brennbarer Fracht gehandelt – zwei nicht unwahrscheinliche »hätte« – gäbe es nun wohl ein paar OldenburgerInnen weniger. Doch das stellt wohl ein tragbares Risiko dar. In Zeiten der Krise haben halt »alle« ihre Bürde zu tragen.

nwz umgeht tarife

Laut des »Deutschen Journalisten-Verband (DJV)« sind in letzter Zeit immer mehr Verlage dazu übergegangen, die Tarifverträge zu umgehen. Zu den gängigen Methodenen gehöre das Outsourcen von Redakteuren in eigenständige, nicht tarifgebundene Gesellschaften, der Einsatz von LeiharbeitnehmerInnen in den Redaktionen sowie die so genannte OT (»ohne Tarifbindung«)-Mitgliedschaft im »Verlegerverband«. Ebenfalls genutzt wird die Möglichkeit, Volontäre nicht mehr im Verlag, sondern an JournalistInnenschulen anzustellen und so die Tarifverträge für Volontäre, insbesondere hinsichtlich des Gehalts, zu umgehen.
Als Anlage zu der Meldung gab es eine kurze Auflistung von exemplarischen Fällen. Mit dabei – welch Überraschung – unsere örtliche Nordwest-Zeitung. Der DJV über die NWZ:»Das Blatt beschäftigt sieben Leiharbeitnehmer, die unter den Redakteurstarifen bezahlt werden; das sind ca. 15 Prozent der Redaktion; auch 22 Volontäre werden als Leihkräfte untertariflich beschäftigt.«

celebration: moon occupation

tapfer, tapfer, unsere jungs

Wie »Deutschland (…) auch am Hindukusch verteidigt« (Peter Struck, SPD) wird, zeigten z. B. einige Bundeswehr-Soldaten am Sonntag in der Nähe des deutschen Feldlagers bei Kundus. Als sich ein mit fünf Menschen besetzter Kleinlaster der Stellung näherte, eröffneten die Soldaten das Feuer aus allen Rohren. Ein 15-jähriger Insasse kam dabei ums Leben. Doch kein Problem, denn zum Einen interessiert es eh niemanden, wenn afghanische Leute bei der »Demokratisierung« des Landes draufgehen und zum Anderen muss mensch ja auch bedenken, was hätte passieren können, wenn der Kleinlaster in die direkte Nähe des Feldlager gelangt wäre; denn er war nach Ministeriumsangaben randvoll beladen – mit Wassermelonen. Nach unbestätigten Berichten soll dieser Einsatz nun ein Nachspiel haben, und zwar wahrscheinlich dieses hier.

city-verbot? können wir uns gut vorstellen…

Nach dem Vorbild von Hannover, Lüneburg, Stade, Leer, … soll es nun auch in Oldenburg Innenstadt-Aufenthaltsverbote für sogenannte »Gewalttäter« geben. Nach Plänen des Ordnungsamtes und der Polizei soll es dabei vor allem jugendliche »Schläger, Randalierer und Mehrfachtäter« treffen, wobei die Definition dessen (z.B. des sehr offenen Begriffes des »Randalierers«) wohl den beiden genannten Behörden obliegt.

»Wir können uns das gut vorstellen. Deshalb sind wir mit der Polizei im Gespräch«, so Ordnungsamtsleiter Horst Hullmann gegenüber der NWZ. Dass sich das Ordnungsamt sowas gut vorstellen kann überrascht wenig. Neben der Tatsache, dass sowieso schon seit vielen Jahren (angebliche) DrogenuserInnen durch mehrmonatige Aufenthaltsverbote aus der City vertrieben werden, passt die »City-Verbot«-Vision wunderbar in das neue oldenburgische Rundumsicher-Paket der Ordnungs- und VertreibungsfetichistInnenen aus »Bettel-Verbot«, »Punker-Verbot«, »Entenfütter-Verbot« und Videoüberwachung. Sicher ist halt sicher. Fragt sich nur, von wessen Sicherheit sie da überhaupt reden.

ol crime, part 12

NordWest-Zeitung vom 21.07.2009:
»In der Nacht zum Sonnabend haben Unbekannte einen der Hundeverbots-Poller an der Spiel- und Liegewiese im Eversten-Holz ausgegraben und weggeschleppt – trotz des 40 Kilo-Betonklotzes, der den einen Meter tief in den Boden eingelassenen Poller vor solchen Attacken eigentlich hatte schützen sollen. Bereits im [Juni] waren drei der acht Poller ausgegraben und weggeschleppt worden, nur einer wurde wiedergefunden. Die Polizei bittet im Zusammenhang mit dem Poller-Diebstahl um Zeugenhinweise. ‚Die müssen doch mit schweren Werkzeugen gearbeitet haben‘, sagt Polizist Wülbers. ‚Das muss doch jemand gesehen haben.‘«


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vermarktung durch blindgänger

Es kommt wohl weiter Bewegung in die Frage der Nutzung der geschlossen »Donnerschwee Kaserne« und des ehemaligen Fliegerhorstes der Bundeswehr an der Alexanderstraße/Metjendorfer Landstraße. Die beiden riesigen Liegenschaften sind in Besitz der »Bundesanstalt für Immobilienaufgaben« (BIMA) und sind seit Jahren (größtenteils) ungenutzt. Seit kurzem liegt nun ein von der Stadt und der BIMA in Auftrag gegebenes Gutachten zur Verwertbarkeit der ehemaligen Bundeswehr-Areale vor, welches im September im städtischen Bauausschuss erörtert werden soll. Nach Aussage von Hans-Jürgen Brunkhorst von der BIMA solle sich daraus ergeben, dass eine Vermarktung des Fliegerhorstes aufgrund vieler ‚Blindgänger‘ aus dem Zweiten Weltkrieg im Kernbereich des Geländes, welche vor einer Neubebauung eine flächendeckende Räumung erfordern würden, gefährdet wäre. Es könne sein, »dass das Gelände unverkäuflich wird«. Die ehemalige Donnerschwee Kaserne lasse sich dagegen kurzfristig vermarkten – mit »Wohnungsbau, hochwertigen Stadtvillen und Dienstleistung«. Und das ist wohl nun auch der Plan der BIMA – keine gute Nachricht also für die Leute in Donnerschwee. (mehr…)

ns-verherrlichung stoppen

sex – arbeit – moral

Am Mittwoch, dem 29.7. gibt`s um 20 Uhr mal wieder eine Veranstaltung des »Feministischen Referats« im Alhambra. Unter dem Titel »Vom ‚Freudenmädchen‘ zur ‚Sexarbeit‘: Sex – Arbeit – Moral« hinterfragt Laura Méritt, »wie sich die heutige Sexualmoral für Frauen auswirkt, spricht über brisante Fragen, wie dem Zusammenhang von Sexualität und Sexarbeit. Mit ihren tiefgehenden Kenntnissen der Sexarbeit, wirft sie kritische Blicke darauf, wie Sexualität verhandelt und besprochen wird und wie mit der fatalen Kombination Frau-Sex-Geld umgegangen wird«. Laura Méritt ist eine feministische Linguistin, Lachforscherin und Sexpertin aus Berlin. Bekannt ist sie als Vorkämpferin der weiblichen Sexindustrie und als die Ein-Frau-Unternehmerin von »Sexclusivitäten«.

Exklusiv für Frauen!