heyl und ihre furcht vor »verkafferung«

Im Oldenburger Stadtteil Bürgerfelde gibt es eine kleine Straße, benannt nach der deutschen Sozialpolitikerin, Aktivistin der bürgerlichen Frauenbewegung und Begründerin der »Hauswirtschaftslehre« Hedwig Heyl (1850-1934). Daran wäre wohl nichts auszusetzen, wenn selbige Frau Heyl sich nicht noch andersweitig betätigt hätte. Doch zwischen 1910 und 1920 war sie Vorsitzende des »Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft« und machte mobil gegen sogenannte »Mischehen« zwischen Deutschen und den BewohnerInnen der Kolonien, da sie eine »Verkafferung« der deutschen Kolonialelite fürchtete. Sie betrachtete es als ihre wichtigste Aufgabe »Frauen für die Kolonisten auszusuchen, Siedlungen durch Ehen zu befestigen und überhaupt geeignetes Mädchenmaterial zu verschicken«. Überflüssig zu erwähnen, dass sie die Ausbeutung und Unterdrückung der kolonisierten Bevölkerungen befürwortete.
Auch die Rassetheorien der NSDAP hatten es ihr angetan. Erfreut äußerte sie sich z.B. darüber, dass der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht »in ganz scharfen Worten die ‚Judenfrage‘ behandelt hat«. Das »zunehmende Bestreben, heute den Wert mehr auf die Rasse seines eigenen Volkes zu legen und die Verbindungen nach völkischen Gesetzen zu verwirklichen« sei gut Ding. Über Hitler schrieb sie 1933: »Und nun Hitler, ich habe gestern seine Rede gehört. Sie war streng im Ausdruck. Kraft und Unerbittlichkeit stehen dahinter. (…) Ich fühle ordentlich Ihre Erschütterung durch das herzbewegende Sichnahefühlen mit dem Führer. Das ist die innere Verwandtschaft mit seinem Wollen und Zielen. (…) Ist dieser Mann nicht mehr als alle Recken, der getreue Eckehart des Volkes? Und die Einheit, die sich gestern auslöste, sie wird der Welt zeigen, was ein wirklich edler Mann, der mit Gott ausgerüstet, für Deutschland werden konnte«.


Plakat auf dem Nürnberger NSDAP-Parteitag 1937:
Unter dem Motto »Wir achten jede Leistung, die in früher Zeit getan wurde, weil das dem Sinn des Nationalsozialismus entspricht« wurde auch Hedwig Heyl (rechts unten) abgefeiert.

Die »Die Linke« forderte nun die Umbenennung der Hedwig-Heyl-Straße, da »sie die nationalsozialistische Ideologie bewundert habe und rassistische sowie antisemitische Äußerungen von ihr belegt seien«. Längst überfällig, denn ihre Positionen sind bereits vor über 10 Jahren durch historische Forschungen belegt worden. Und schon 1999 wurden nach ihr benannte Schulen in Frankfurt am Main und Hannover wieder umbenannt und jüngst wurde auch die 1995 an ihrem ehemaligen Wohnhaus in Berlin angebrachte Gedenktafel wieder entfernt.


1 Antwort auf “heyl und ihre furcht vor »verkafferung«”


  1. 1 Administrator 17. Juni 2009 um 13:05 Uhr

    NWZ, 13.6.09:

    Linke: Neuer Name für H.-Heyl-Straße
    RASSISTISCHE ÄUßERUNGEN DER POLITIKERIN WERDEN ALS GRUND GENANNT. DER OB SOLLE HANDELN.

    OLDENBURG – Die Oldenburger Linken fordern die Umbenennung der Hedwig-Heyl-Straße in Bürgerfelde. In einem Schreiben fordert Jonas Christopher Höpken den Oberbürgermeister auf, die Formalitäten einzuleiten. Hedwig Heyl sei als Namensgeberin einer Straße nicht mehr tragbar, da sie die nationalsozialistische Ideologie bewundert habe und rassistische sowie antisemitische Äußerungen von ihr belegt seien.

    Jüngst ist in Berlin eine Gedenktafel zu Ehren Hedwig Heyls von ihrem Wohnhaus entfernt worden. Auch Schulen, z.B. in Hannover, wurden umbenannt. Hedwig Heyl (1850-1934) rief in Berlin viele soziale Einrichtungen ins Leben und engagierte sich für Frauen. Von 1910 bis 1920 war sie Vorsitzende des Frau-enbundes, später trat sie der Deutschen Volkspartei bei. Besonders aufgrund ihrer Äußerungen in der Deutschen Kolonialgesellschaft steht sie in der Kritik.

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