schraube locker: korvette »oldenburg«

Schadenfreude ist doch oftmals die schönste Freude: Die NWZ verkündete heute die Lahmlegung der Korvette »Oldenburg« (F 263), da sich während einer Testfahrt eine Schraube im Getriebe löste, in die Zahnräder fiel und dort erhebliche Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro verursachte. Bei der Fehleranalyse stellte sich zudem heraus, dass die Getriebe aller Schiffe der neuen Korvettenklasse 130 mehrere, teils konstruktive Mängel aufwiesen. Damit ist an einen Einsatz der Korvette »Oldenburg« und ihrer 4 Schwesterschiffe »Braunschweig«, »Magdeburg«, »Erfurt« und »Ludwigshafen am Rhein« für die deutsche Marine ersteinmal nicht zu denken. Die jeweils rund 240 Millionen Euro teuren Korvetten des Typs K130 wurden hauptsächlich von den Werften Blohm+Voss (Hamburg), Friedrich-Lürssen (Bremen) und den Nordseewerken (Emden) erbaut und mit technischem Know-how der ThyssenKrupp Marine Systems (Hamburg) ausgestattet und waren speziell für die Auslandseinsätze der Kriegsmarine in Küstennähe (aktuell vor dem Libanon und vor Somalia) vorgesehen.

»Für küstennahe Einsätze waren die vorhandenen Fregatten der Bundesmarine zu groß, die kleineren Seeboote aber nicht seetüchtig genug. Mit einer Beweglichkeit von mehr als 26 km Höchstgeschwindigkeit sowie der Fähigkeit, auch bei schwerer See zu operieren, ist sie zum Einsatz für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung auch in entfernten Seegebieten fähig.«, verkündet dazu voller Stolz die Internetseite der Stadt Oldenburg. Weiter heißt es dort: »Die Patenschaft mit der Korvette drückt die enge Verbundenheit der Stadt Oldenburg mit der Bundeswehr, insbesondere auch zu der Marine aus«. Ursprünglich sollten die Schiffe Anfang 2010 nach und nach zur Verwirklichung neuer deutscher Großmachtsträume zur Verfügung stehen – daraus wird nun erstmal nichts.

Zu »verdanken« ist die Namensgebung »Oldenburg« übrigens Thomas Kossendey, dem CDU-Bundestagsabgeordneter für Oldenburg und das Ammerland und Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Dieser hatte sich seit 1996 dafür eingesetzt, dass eines der Kriegsschiffe der Marine nach der Stadt an der Hunte benannt wird. Im Jahr 2003 gab die Deutsche Marine dann die fünf Korvetten in Auftrag, von denen eine den Namen »Oldenburg« erhielt. Im Beisein des damaligen Oldenburger Oberbürgermeisters Dietmar Schütz (SPD) wurde die Korvette am 19. Januar 2006 »auf Kiel gelegt«. Getauft wurde die Korvette »Oldenburg« am 28. Juni 2007 zu den Klängen von »Heil dir, o Oldenburg« in Hamburg. Annette Schwandner, die Ehefrau des Oberbürgermeisters Fritz Gerd Schwandner, übernahm die Taufe und hatte am Bug der Korvette damals die Flasche Sekt als »Glücksbringer« zerschellt.

Im Laufe der Zeit gab es schon mehrer deutsche Kriegsschiffe mit dem Namen »Oldenburg«, welche glücklicherweise allesamt wenig effektiv waren:
Bereits 1848 wurde die hölzerne mit zwei 68 Pfünder Bombenkanonen bewaffnete Radkorvette »Großherzog von Oldenburg« in den Dienst der Reichsflotte gestellt. Aufgrund der hastigen Bauweise wurde der hölzerne Rumpf allerdings schnell von Fäule angegriffen und so wurde sie nach nur einer Inspektionsfahrt 1852 versteigert.
Am 20. Dezember 1884 lief die schwerbewaffnete Panzerkorvette »SMS Oldenburg« vom Stapel. Das Schiff war schon bei seiner Fertigstellung veraltet, diente aber bis 1900 in der Flotte, einschließlich Auslandsdienst im Mittelmeer (u.a. 1897 vor Kreta), und war dann bis zur Außerdienststellung 1912 Wachtschiff. Danach diente es als Zielschiff und wurde 1919 abgewrackt.
1910 folgte dann das Schlachtschiff »SMS Oldenburg« mit über 1000 Mann Besatzung, welches während des 1. Weltkrieges an mehreren Gefechten in der Nord- und Ostsee teilnahm, einschließlich der Skagerrak-Schlacht (31. Mai – 1. Juni 1916). Die »Oldenburg« erhielt dabei einen Treffer der Mittelartillerie, die acht Tote und 14 Verletzte verursachte, aber leider nur geringe strukturelle Schäden hinterließ. Im Vertrag von Versailles wurde die »Oldenburg« als Reparationsschiff »M« Japan zugesprochen. Da Japan keine Verwendung für das Schiff hatte, wurde sie zwar 1920 ausgeliefert, verblieb aber in europäischen Gewässern und wurde 1921 abgewrackt.
Am 21.07.1917 wurde der Untersee-Kreuzer »U151« in Dienst gestellt. Das Schiff sollte ursprünglich als Handels-U-Boot »U-Oldenburg« die englische Seeblockade für den deutschen Rüstungskonzern Krupp unterlaufen und kriegswichtige Rohstoffe aus den USA importieren. Durch den Kriegsbeitritt der USA 1917 war »U-Oldenburg« als Handels-U-Boot jedoch wertlos geworden. Und so wurde das schon getaufte Boot an die Marine abgeliefert und zum U-Kreuzer »U151« umgebaut, welcher lediglich 3 Fahrten unternahm. Nach der deutschen Niederlage wurde es 1918 an England ausgeliefert und am 07.06.1921 als Zielschiff vor Cherbourg versenkt.
Während des Nationalsozialismus würde der vormalige Frachtdampfer »Oldenburg« (1934) zum Minenlegen umgebaut. Der Minenleger beteiligte sich unter anderem im April 1940 an dem deutschen Überfall auf Norwegen. Am 14. April 1940 wurde er von dem englischen U-Boot »Sunfish« torpediert und versenkt.


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