der 1.mai in oldenburg

Der 1. Mai in Oldenburg startete mal wieder bereits am 30. April auf dem Rathausmarkt mit dem »Rock gegen rechts« der DGB-Jugend mit mehreren tausend Leute. Am Freitag gab es dann um 10 Uhr die DGB-Demo mit etwa 200 Leuten unter dem bescheidenem Motto »Arbeit für alle bei fairem Lohn!« – die anschließende Kundgebung mit Reden, Bier und Bratwurst zog dann nochmal doppelt soviele Menschen an. Gegen 12 Uhr gings dann endlich mit dem schon traditionellen, unangemeldeten autonomen 1.Mai los. Bei blendendem Wetter und unter dem Motto »Widerstand heißt leben! Kapitalismus abwracken!« versammelten sich zwar weniger als in letzten Jahren, aber wohl immernoch an die 500 Leute in der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel.

Gutgelaunt startete die Demo nach einer netten Auftaktrede, um nach nur 100 Metern mit den ersten Nervereien durch die Bullen konfrontiert zu werden. Mit quergestellten Einsatzwägen und einer kleinen Bullenkette blockierten sie den Zugang zur Moslestraße. Es kam zu kleineren Rangeleien und die Autos wurden etwas geschaukelt. Sichtlich überrascht zeigten sich die Cops angesichts der ersten Reihen, die diesmal von Autonomen des deutlich älteren Semesters (Ü50 oder nahe dran) gestellt wurden. Schließlich machten die Bullen den Weg frei und es ging weiter.

Nur wenige Minuten später gab es dann ein paar AktivistInnen zu bestaunen, welche vom Dach des Post-Gebäudes ein großes Transparent gegen die Kriegsgeschäfte der Post-Tochterfirma »DHL« herabließen.

Keine Minute später gab`s dann etwas mehr Stress. Die Demo hatte sich kurzfristig entschieden, von der von den Bullen erwarteten Route abzuweichen und bog in die Osterstraße ein – sehr zum Unmut der zum »Schutz der Straße« eingesetzten Prügelbullen. Es zu kleineren Kloppereien – die Bullen setzten Knüppel und sogar Pfefferspray ein, um der Demo den Weg zu versperren. Nützte aber alles nichts, denn zum Einen ließ sich die Demo nicht zurückdrängen und zum Anderen waren schon diverse Leute an der Absperrung vorbeigehuscht und nervten die Bullen von hinten. Somit gab Team Green dann mal wieder ihre Sperre auf und die Demo zog ihrer Wege. Der einzige Erfolg der Bullenprovo war, dass sie (wie inzwischen auch schon fast jedes Jahr) das Fronttransparent in zwei Teile zerrissen hatten. Das wurde dann durch ein Transi mit der Aufschrift »Don`t let the system get you down – Unsere Solidarität gegen ihr Repression« ersetzt – irgendwie sehr passend.

Weiter gings dann über die Straße Am Stadtmuseum zum Pferdemarkt, wobei auf Höhe des Lappan ein Redebeitag der »Oldenburger Rechtshilfe« gegen Kameraüberwachung [Info] und Sicherheitswahn [Info] gehalten wurde. Am Pferdemarkt gab es dann einen etwas langen, dafür aber umso fundierteren und sprachlich sehr geglückten Redebeitrag von »solid«/»SDS« zu den Irrungen und Wirrungen des Daseins im Kapitalismus [Rede].

Es ging dann weiter in die Peterstraße, wo vor dem Gebäude unseres lokalen Käseblättchens NWZ ein richtig, richtig guter Redebeitag der ALSO zu Konsequenzen aus der »Krise« und zu Chancen für emanzipative Bewegungen, aber eben auch den Gefahren einer Zunahme reaktionärer Tendenzen durch die soziale Not in Deutschland folgte. Die Demo setzte sich wieder in Bewegung, wobei Teile begannen, die im lockeren Spalier mitlaufenden Bullen mit allerlei Schabernack zur Verzweiflung zu treiben.

Der nächste Halt war dann am Julius-Mosen-Platz. Dort hatten die Cops wieder ein bißchen dicker aufgefahren, um einen Durchbruch in die City zu verhindern. Wurde aber garnicht versucht – stattdessen besorgte sich der Eine und die Andere fix ein lecker Eis und lauschte einem Redebeitrag zum aktuellen Bildungsabbau und vorallem zu dem bundesweiten Schulstreik am 17. Juni.


Nachmacher! – aber dadurch wohl einer der wenig Gutgelaunten

Nun ging es weiter über den Theaterwall Richtung Rathausmarkt. Dieser musste vor einigen Jahren noch durch energische Rangeleien erkämpft werden, ist nun aber auch schon fast traditionell DER Kundgebungsort der autonomen 1. Mai-Demo. Die Bullen stoppten jedoch die Demo, aber nicht ohne ständig zu versichern, dass sie ja nichts böses wollen und nur noch den Schutz der sich momentan in Wohncontainern auf dem Schloßplatz befindlichen Landessparkasse organisieren müssten. Naja, wie dem auch sei – aufjedenfall dauerte es wirklich nicht lang bis es weiterging und das Wetter und die Stimmung waren nach wie vor blendend.

Auf dem Rathausmarkt angekommen gab es eine knackige Rede der 1. Mai-Orga-Gruppe. Eingekesselt von Juppie-Eiscafes auf der einen und den Bier-und Wurstbuden der vorherigen DGB-Kundgebung auf der anderen Seite war dieser Ort dieses Jahr nicht sehr gemütlich und so ging es recht zügig weiter Richtung »Alhambra«.

Am Fusse der Amalienbrücke – dem »Tor ins rote Osternburg« – verabschiedeten sich dann auch endlich die Bullen, so dass die letzten 500 Meter in noch angenehmerer Atmosphäre verbracht werden konnten.

Vom Dach des »Alhambra« wurde die Demo mit einem kleinen Feuerwerk und einem Soli-Transparent für die Gefangenen der Proteste gegen den NATO-Gipfel begrüßt, bevor sich die »revolutioären Massen« bei lecker Büffet, solidarischer Sonne und (der in diesem Jahr leider viel zu klein geratenen) Hüpfburg dem Müßiggang hingaben.

… dat war doch mal wieder nett. Nächstes Jahr wieder!


6 Antworten auf “der 1.mai in oldenburg”


  1. 1 Administrator 02. Mai 2009 um 2:42 Uhr

    POLIZEI-OL: ++ Maidemonstration in Oldenburg ++

    Oldenburg (ots) – Der DGB veranstaltete am Freitag einen Aufzug mit anschließender Kundgebung (etwa 200 Teilnehmer) auf dem Rathausmarkt unter dem Motto „Arbeit für alle bei fairem Lohn!“. Ungefähr 500 Personen nahmen an einer dem „Aktions- und Kommunikationszentrum Alhambra“ zuzurechnenden Demonstration unter dem Motto „Widerstand heißt leben, Kapitalismus abwracken“ teil. Beide Veranstaltungen verliefen friedlich.

  2. 2 ... 02. Mai 2009 um 9:39 Uhr

    Die NWZ schreibt:

    Demo für gerechtere Bedingungen

    OLDENBURG – Demonstriert haben am Freitag im Anschluss an die Mai-Demo der Gewerkschaft etwa 500 weitgehend jüngere Oldenburger unter dem Motto „Widerstand heißt leben, Kapitalismus abwracken“. Der Zug führte von der Kaiserstraße über Lappankreuzung, Pferdemarkt und Peterstraße zum Rathaus.

    Die Demonstrierenden wendeten sich u.a. gegen die aktuelle Bildungspolitik der Landesregierung, gegen „Sicherheitswahn und Überwachungsstaat“, für eine Stärkung der Arbeitsplätze auch hier in Oldenburg, für gerechtere Lebensbedingungen und gegen Kapitalismus, für ausreichende finanzielle Unterstützung von Menschen ohne Arbeit und für eine bessere Hilfe für die Asylsuchenden in Kloster Blankenburg, auch durch das Angebot von Sprachkursen für die Menschen dort.

    Die Polizei begleitete die Kundgebung. Die Demo, die mit einer Party am Alhambra endete, verlief weitgehend friedlich.

    http://www.NWZonline.de/index_regionalausgaben_stadt_oldenburg_artikel.php?id=1995057

  3. 3 M 02. Mai 2009 um 20:47 Uhr

    „einen etwas langen, dafür aber umso fundierteren und sprachlich sehr geglückten Redebeitrag von »solid«/»SDS« zu den Irrungen und Wirrungen des Daseins im Kapitalismus“ findet ihr jetzt zum nachlesen hier (http://solidoldenburg.wordpress.com/2009/05/02/we-like-to-move-it-move-it/)

  4. 4 otto 02. Mai 2009 um 22:52 Uhr

    oh hat der nwz diesmal etwa bei den beiträge zugehört?!

  5. 5 Administrator 04. Mai 2009 um 22:24 Uhr

    Funkschatten – Die Stadtschülerzeitung:

    1.Mai Demonstration in Oldenburg

    Am heutigen Tag fanden zwei relativ erfolgreiche 1.Mai Demonstrationen in Oldenburg statt. Die Demonstration am frühen Vormittag, die vom DGB organisiert wurde, soll nach Angaben der NWZ 500 TeilnehmerInnen verzeichnet haben. Die zweite, die autonome 1.Mai Demonstration startete unter dem Motto „Widerstand heißt leben! Kapitalismus abwracken!“ mit den ca. 600-700 TeilnehmerInnen kurz vor halb eins in der Kaiserstraße. Bereits zu Beginn versuchte die Polizei die Demonstration in die Schranken zu weisen. Jedoch ließen sich die DemonstrantInnen nicht aus der Fassung bringen. Die Demonstration verlief trotz der unnötigen Einschreitung von Seiten der Polizei gewohnt friedlich. Sie führte über den Pferdemarkt, am PFL entlang über den Theaterwall und dem Rathausplatz zum Alhambra um dann dort letztlich in das alljährliche Straßenfest überzugehen.

    http://funkschatten.blogsport.de/2009/05/01/1mai-demonstration-in-oldenburg/

  6. 6 fokus oldenburg 07. Mai 2009 um 20:44 Uhr

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