der ewig unverstandene

Wie die NWZ am 25.3.09 berichtete, fühlt sich Oberbürgermeister Fritz Gerd Schwandner falsch verstanden. In einem am Tag zuvor in der NWZ veröffentlichten Bericht eines Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung war Schwandner im Bezug auf die Aufnahme von sechs Irak-Flüchtlingen mit den folgendenden Worten zitiert worden: »Die Stadt braucht die Flüchtlinge nicht. Wir wollen vor allem Ausländer mit hohem Bildungsabschluss«. Schwandner ließ nun dazu verlauten: »Ich stehe der Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Irak ausdrücklich positiv gegenüber und sehe Oldenburg nicht nur in der Verpflichtung, ein Soll zu erfüllen. Die Aufnahme von irakischen Flüchtlingen ist für mich ein selbstverständlicher Akt der Menschlichkeit«. Desweiteren werde die Zuwanderung als Bereicherung begriffen und Oldenburg lege besonderen Wert auf eine Integrationspolitik – »Die Anliegen der Flüchtlinge und Zuwanderer in dieser Stadt sind für mich von besonderer Bedeutung – unabhängig von ihrem Bildungsgrad.« erklärte er. Davon können die Leute im Abschiebelager Blankenburg wohl ein Lied singen.

Die TAZ hat zum selben Thema einen kleinen Kommentar veröffentlicht, welcher euch nicht vorenthalten bleiben soll:
» Der ewig Unverstandene
Bislang war die Nordwest-Zeitung nie verdächtig, Oldenburgs Oberbürgermeister Fritz Gerd Schwandner übel zu wollen. Was der Mann verkündet, findet in dem Lokalblatt seinen Platz, zumeist begleitet von unverhohlener Zustimmung, garniert mit Bildern von Schwandners Auftritten, auf denen er seine Politik gerne mit dem gereckten Daumen kommentieren darf. Es ist nicht zu vermuten, dass diese Zeitung dem OB nun etwas in den Mund gelegt hat, was an die Stoibersche „Das Boot ist voll“-Rhetorik nicht nur erinnert, sondern diese in ihrer Schäbigkeit noch überbietet. Mehr als sechs Flüchtlinge sollen bitte sehr nicht nach Oldenburg kommen. Und wenn, dann nur die mit hohem Bildungsabschluss. Bemerkenswert oft hat Schwandner schon Einblicke in sein elitäres Weltbild gegeben, das eine Gesellschaft aus lauter Leistungsbereiten, nein, Leistungsfähigen will, die seine Stadt voranbringen sollen. Insofern würde es passen, dass er genau das gesagt hat, was er nicht gesagt haben will. Die wegen diverser Tippfehler wohl hastig aufgeschriebene „Das habe ich nie gesagt“-Pressemitteilung ist ein beredtes Dementi. Schwandner fühlt sich missverstanden, das kam in den zweieinhalb Jahren, seit denen er in Oldenburg agiert, oft vor. Er sollte öfter erst denken und dann reden.«


3 Antworten auf “der ewig unverstandene”


  1. 1 rr 26. März 2009 um 12:25 Uhr

    neben dem mist, den schwandner so erzählt, ist es auch spannend, wie die wildwest-“zeitung“ reagiert. da wird in einem kleinen artikel auf der fünften seite des oldenburger lokalteils sozusagen jegliche verantwortung für diesen artikel von sich gewiesen, ist ihnen wohl unangenehm, dem o b medial ans bein zu pinkeln.
    der text mit den unsäglichen schwandner-zitaten sei ja nicht von der wild-west, sondern im rahmen eines projektes der journalisten-akademie der konrad-adenauer-stiftung entstanden.
    was soll uns das nun sagen?
    entweder sagt es uns, dass die journalisten-akademie ihren leuten nicht beibringt vernünftig zu recherchieren und die wild-west unwahrheiten ungeprüft abdruckt,
    oder es sagt uns, dass der artikel richtig ist, die wild-west eigenen redakteurInnen diesen so aber nie schreiben würden, sondern die verbalen entgleisungen schwandners stillschweigend unter den tisch fallen lassen würden.
    in beiden fällen ist dies ein journalistisches armutszeugniss, auch wenn von diesem provizblatt eigentlich nichts anderes zu erwarten ist.

  2. 2 Administrator 30. März 2009 um 8:19 Uhr

    Kolumne des Oberbürgermeisters: Irak-Flüchtlinge (27. März):

    Liebe Oldenburgerinnen, liebe Oldenburger,

    wenn im Oldenburger Untergrund noch Kupferkabel verlaufen würden und keine modernen Glasfaserkabel, dann hätten am vergangenen Mittwoch vermutlich die Drähte geglüht. Es gingen zahlreiche Anrufe und Emails zu einem bestimmten Thema ein, das viele Oldenburgerinnen und Oldenburger beschäftigte. Das ist gar nicht so selten, das kommt durchaus mal vor. Ungewöhnlich war jedoch der Tenor: Er schwankte zwischen Empörung und Unverständnis. Und wissen Sie was? Das tat er völlig zu Recht!

    Was war passiert? Im Prinzip etwas Positives: Die Stadt Oldenburg nimmt Flüchtlinge aus dem Irak auf. Sie hilft schuldlos in Not geratenen Menschen mit dem Allernötigsten: Einem friedvollen Ort zum Leben. Das ist für mich ein selbstverständlicher Akt der Menschlichkeit. Bei der Berichterstattung darüber passierte allerdings eine Ungenauigkeit. Vielleicht war es auch nur ein Transkriptionsfehler. Das Ergebnis war jedoch fatal. Im erschienenen Text tauchte nämlich ein Zitat von mir auf, das jeden Ärger rechtfertigen würde, wenn ich die Sätze tatsächlich so gesagt oder gemeint hätte. „Die Stadt braucht die Flüchtlinge nicht“, stand dort. Und weiter: „Wir wollen vor allem Ausländer mit hohem Bildungsabschluss“.

    Wie bitte? Niemand, der auch nur einen Funken Menschlichkeit in sich trägt, würde Flüchtlinge nur mit gehobenem Bildungsniveau aufnehmen. Es geht hier um Hilfe in der Not. Da ist Handeln gefragt, keine Kosten-Nutzen-Rechnung. Wenn ich diese Aussagen aus dem Mund einer anderen Person gehört hätte, dann wäre ich selbst irritiert gewesen. Ich hätte vielleicht auch eine Email geschrieben. Von daher werte ich die Resonanz aus der Bevölkerung absolut positiv, auch wenn sie sich zunächst gegen mich richtete. Ich finde es gut, dass die Oldenburgerinnen und Oldenburger so etwas nicht gleichgültig hinnehmen, sondern darauf reagieren. Denn: Die Haltung in den Zitaten geht gar nicht. So kann und darf man nicht denken. Wer immer so etwas sagt und meint, hat jeden Ärger und jeden Unmut verdient.

    ABER – und das ist ein deutliches und nachdrückliches ABER:
    Ich habe diese Sätze so nicht gesagt! Und schon gar nicht gemeint!

    Ich hab nicht mal daran gedacht. Und um noch weiterzugehen: Ich denke das genaue Gegenteil. Ich betone aus Überzeugung bei vielen Gelegenheiten, wie sehr ich Internationalität schätze. Ich habe schon häufig erwähnt, dass mir dieses Thema in doppeltem Sinn am Herzen liegt: Sowohl was unsere Kontakte ins Ausland angeht, als auch was Internationalität innerhalb unserer Stadt betrifft. Unseren Ausländeranteil sähe ich persönlich gerne im zweistelligen Bereich. Derzeit liegt er bei rund 6 Prozent, während Bremen eine Quote von 13 Prozent hat. Aber Zahlen spielen nur eine Nebenrolle. Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Menschen jeder Couleur sich wohl fühlen und in der sie sich selbst und ihre Vorstellungen vom Leben verwirklichen können. Und zwar gemeinsam, nicht jeder für sich. Verschiedenartigkeit und Vielfalt empfinde ich als positiv. Eine Großstadt muss abwechslungsreich und lebendig sein. Und sie muss fähig und willens sein, Menschen anderer Nationalitäten und Kulturen mit einzubinden und als Bereicherung zu begreifen. Ganz egal, ob sie einen Schulabschluss haben oder nicht. Ich tue das. Und das gilt – ausdrücklich! – auch für die irakischen Flüchtlinge, die wir bald bei uns begrüßen dürfen.

    Am Rande sei bemerkt: Unser Konzept der „Übermorgenstadt“ enthält drei Leitthemen für die Zukunft. Sie bilden die Säulen, auf der unsere zukünftige Stadtentwicklung ruht. Gleichberechtigt neben Talenten und Technologie steht dort die Toleranz. Der Begriff steht für das Zusammenleben in Oldenburg in all seinen Formen. Er steht für Gleichberechtigung und Integration, er verurteilt Diskriminierung und Diffamierung. Und selbstverständlich steht er auch für jene Menschlichkeit, die wir in Not geratenen Menschen zukommen lassen sollten.

    Noch einmal zurück zum Artikel: Ich werfe niemandem Absicht vor. Missverständnisse passieren eben. Nur den entstandenen Eindruck möchte ich korrigieren. Deshalb an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich: Oldenburg ist eine offene und tolerante Stadt, die Gäste aus dem Ausland mit offenen Armen willkommen heißt. Das gilt umso mehr, wenn diese Gäste Flüchtlinge sind, die unserer Hilfe bedürfen. Die bekommen sie hier immer und zu jeder Zeit – und zwar von Herzen gern!

    Ihr Gerd Schwandner
    Oberbürgermeister

  3. 3 Niklas 24. Juli 2010 um 0:24 Uhr

    Ich moechte mal wissen wieviele den Schwachsinn von unserem lieben herrn Buergermeister geglaubt haben, die NWZ leser aufjedenfall (: Einfach nur erbärmlich was hir läuft.Das Fluechtlingslager Blankenburg hätte Geld gebrauchen koennen, um die Umstände dort zu verbessern, geschlossen wird es aus Kosten Gründen.Aber fuer das LZO Gebäude, war also genug Geld der Komune da, wie ich hörte wurde dieses ja ganz oder teils aus Geldern der Komune bezahlt?Soviel zum Thema ich Zitiere “ Das gilt umso mehr, wenn diese Gäste Flüchtlinge sind, die unserer Hilfe bedürfen. Die bekommen sie hier immer und zu jeder Zeit – und zwar von Herzen gern! “ ich gehe kotzen, auf bald !

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