Archiv für Januar 2009

die häuser denen, die sie brauchen

Am 27. Januar gab es in Oldenburg eine unangemeldete Spontandemonstration für bedrohte linke Hausprojekte und Freiräume. Weltweit kam es in der letzten Zeit zu einer Häufung von Räumungen bzw. Räumungsandrohungen, so ist etwa das besetzte »Topf-Squat« in Erfurt, die »Grevener Straße« in Münster und das Kunst- und Veranstaltungszentrums »Tacheles« in Berlin räumungsbedroht. Das Zentrum »Schnapsfabrik« in Köln wurde anfang des Jahres vom Bauamt geschlossen, das Centri Sociali »Cox 18« in Mailand am 22. Januar geräumt, weiteren Centri Sociali in Mailand droht das gleiche Schiksal. Den traurigen Höhepunkt stellt die brutale Räumung eines besetzten Hauses in der Innenstadt von Seoul am 20. Januar dar, bei der fünf BesetzerInnen und ein Bulle den Tod fanden.
Also Gründe genug, auf die Strasse zu gehen. Und so versammelten sich bis zu 100 Leute gegen 18 Uhr am Lefferseck und zogen von dort aus bei ziemlich eisigen Temperaturen und nebeliger Dunkelheit über die Staulinie, Poststraße und Amalienstraße zum autonomen Zentrum »Alhambra«. Die mit einem Großaufgebot, inklusive der Schlägereinheit »BFE« und einer Hundestaffel, angerückten Bullen nahmen die lautstarke Demo ins Spalier. Es kam – abgesehen von dem nervigen Spalier- immer wieder zu Provos der Bullen: Der Demo wurde durch massive Absperrungen eine Route aufgezwungen, immer mal wieder wurde der Aufzug »ausgebremst« und gegen Ende der Demo ließ es sich das Oldenburger »BFE« nicht nehmen, durch Schläge und Tritte gegen die Demonstrierenden eine Routenverkürzung von 20 Metern (!) durchzusetzen. Dieser Angriff reiht sich in das immer brutaler werdende Agieren der Oldenburger Bullen (unter Führung des Polizeichefs Johann Kühme und des Einsatzleiters vor Ort Norbert Münch) ein, die nicht erst seit den Vorfällen in der Kaiserstrasse während der antifaschistischen Proteste am 5. Juli 2008 Knüppel und Tränengas als einziges Argument gegen die selbstbewußt auftretende Linke in der Stadt vorzubringen haben. Bernd, ein Sympathiesant des Topf-Squats äußerte sich dazu ein wenig pathetisch: »Wer Wind sät, wird Sturm ernten«.

freie kurve

Am 1. Februar endet mit dem Nachholspiel gegen die Zweite des VfL Osnabrück für den Tabellenführer der Oberliga Niedersachsen West, den VFB Oldenburg, die Winterpause. In den vergangenen 16 Ligaspielen gab es 43 wunderschöne VFB-Tore zu bewundern. Die 12 Siege – bei 3 Unentschieden und nur einer Niederlage – in der Hinrunde lassen mal wieder auf den längst überfälligen Aufstieg hoffen. Durchschnittlich unterstützten 1857 Fans pro Heimspiel die Blau-Weißen im Marschweg-Stadion (1897 Fans wären natürlich cooler gewesen).
Doch eben dieser Support wurde in der Hinrunde immer wieder mit willkürlichen Schikanen überzogen. Es wurde ein Zaunfahnenverbot erlassen (die Zaunfahnen dürfen gar nicht mehr bzw. nur noch noch mit einem grossen »Sichtschlitz« aufgehängt werden), Metalldetektoren kamen zum Einsatz und ein unverhältnismäßiges Aufgebot des neuen Ordnungsdienstes tat sich durch allerlei Nervereien hervor. Nach diversen Beschwerden von VFB-Fans hat der Verein am 26. Januar nun Besserung versprochen. Es sollen in Zukunft keine Metalldetektoren und merklich weniger Ordner bei den Heimspielen eingesetzt werden. Bezüglich der Zaunfahnen gab es allerdings kein Statement.

освобождение!

stupa-wahl in oldenburg

und wenn man dann mal traurig ist…

tanzen 2.0


»Tanzen 2.0 – Antifaschistisches Tanzgelage« / 30.01. / Alhambra

inside hamas

Am 20. Januar lief auf arte die Dokumentation »Inside Hamas«. Der 2008 produzierte Film des argentinischen Regisseurs Rodrigo Vázquez beschreibt den Alltag im Gaza-Streifen unter der Herrschaft der Hamas, der »islamischen Widerstandsbewegung«, in der Zeit vor der israelischen Militäroperation. Der Fokus der Doku liegt auf den innerpalästinensischen Konflikten und führt vor Augen, dass es sich bei der Bevölkerung des Gaza-Streifens mitnichten um eine homogene Masse handelt. Allerdings thematisiert die Dokumentation leider weder die weitverbreiteten antisemitischen Positionen, noch die patriachalen Strukturen in den »Palästinensergebieten«. Trotzdem äußerst sehenswert.


(mehr…)

consume – don`t think

»Ja, konsumieren!« So soll er aussehen, der neue Shopping-Tempel »ECE« – ähh, natürlich »Schlosshöfe«- in der Oldenburger City.

død snø

Auf einer der bedeutensten Nazi-Internetseiten in Deutschland weiß der »Leser-Autor Wolzow« über »wachsende antideutsche Tendenzen im nordeuropäischen Ausland«, genauer gesagt in Norwegen zu berichten. Es geht um »eine neue Art antideutsche Propaganda «Made in Norway»«, den Film »Død Snø« des Regisseurs Tommy Wirkola, der sich anscheinend großer Beliebheit bei norwegischen CineastInnen erfreut. Lassen wir nun einmal den Nazi Wolzow zu Wort kommen: (mehr…)

demo für gaza

Am 17.01.09 demonstrierten in der Oldenburger Innenstadt etwa 200 Menschen gegen den »Gaza-Krieg«. Zu der Demonstration unter dem Motto: »Frieden und Gerechtigkeit für Palästina« hatte das Oldenburger »Hilfswerk Palästina e.V.«, die »Deutsch Palästinensische Gesellschaft« und der »Freundeskreis Beit Jala« aufgerufen. Während der Demo kam es zu Konflikten, nachdem eine größere Gruppe Israel in Sprechchören als »Frauenmörder« und »Kindermörder« titulierte. (mehr…)

aneignen

Scheinbar waren am Samstag Abend mal wieder »Die Überflüssigen« in Oldenburg unterwegs. In der NWZ vom 20.1.09 heißt es: »Erneut haben Hartz-IV-Gegner ein Lokal gestürmt. Am Sonnabend in den Abendstunden überraschten sie die Gäste eines Restaurants an der Nadorster Straße. Ende November war ein Speiselokal an der Alexanderstraße betroffen gewesen. In beiden Fälle verstreuten die 10 bis 15 maskierten Frauen und Männer Konfetti und aßen von den Tellern der Gäste. Mit der Aktion wollte die Gruppe auf die Situation von Hartz-IV-Empfängern aufmerksam machen.«
Immer wieder schön!

Einen Bericht über die »Überflüssigen«-Aktion im November findet ihr hier.

support the snowman

Am 26. November 2008 wurde das Capitol des Bundesstaates Washington in der Stadt Olympia verschönert. Neben einem Anarchie- und einen Peace-Zeichen wurden auch die Parolen »no war« und »no poverty« an die Außenfassade gesprüht. Für eine solche Tat, die nach der US-Gesetzgebung eine »first-degree malicious mischief« – also eine schwere mutwillige Sachbeschädigung – darstellt, kann im schlimmsten Fall wohl eine Strafe von 10 Jahren Gefängnis verhängt werden.
Mitte Januar präsentierte die Polizei von Olympia dann mit Jeff Monson einen Verdächtigen. Jeff »The Snowman« Monson ist ein anarcho-syndikalistischer Aktivist und Mitglied der Industrial Workers of the World (IWW) in den USA. Berühmt ist er allerdings durch seine berufliche Tätigkeit: der 38 jährige ist professioneller MMA-Kämpfer und gehört zur Top-Spitze des MMA Sports. MMA steht für »Mixed Martial Arts«, auf deutsch in etwa »gemischte Kampfkünste«, und ist eine Kombination der Techniken aus den unterschiedlichsten Kampfsportarten oder Kampfkünsten. Es handelt sich bei Mixed Martial Arts um einen Vollkontakt-Wettkampfsport – hier zulande eher bekannt unter der Bezeichnung »Freefight«.


»The Snowman« bei einer Anti-Kriegs-Blockade und im Ring

(mehr…)

von oldenburg nach auschwitz

Der »Freundeskreis für Sinti und Roma e.V.« veranstaltet am Dienstag, dem 27. Januar um 12 Uhr eine Gedenkkundgebung mit Kranzniederlegung am »Gedenkstein zur Erinnerung an die Oldenburger Sinti« (Friedhofsweg/Jägerstraße). Zwischen 1938 und 1945 würden mindestens 74 OldenburgerInnen, die als »Zigeuner« definiert wurden und zum größten Teil auf dem Gelände des Ziegelhofes am Friedhofsweg wohnten, in die nationalsozialistischen Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Seit der Einweihung des Gedenksteins 1989 wird dort an jedem 27. Januar, dem Tag der Befreiung des KZ Auschwitz, den Opfern des völkischen Wahns gedacht.

An dieser Stelle noch ein kleiner Buchtip: »Hans Hesse/Jens Schreiber, Vom Schlachthof nach Auschwitz. Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland«

treffend

Beitrag »Deutschland« in der Großinstallation »Entropa« im Brüsseler EU-Ratsgebäude. Künster: Helmut Bauer alias David Černý

antifaschistisch reisen


Auch aus Oldenburg werden Busse fahren. Info`s gibt es hier.