vom krawall zur revolte

Heute wurde der 15-Jährige Autonome Alexis Grigoropoulos, der am 6. Dezember in Athen von den Bullen erschossen wurde, beerdigt. Während dessen gehen die heftigen Proteste und Krawalle in ganz Griechenland auch am vierten Tag in Folge weiter und entwickeln sich zu einer handfesten Revolte. Neben den Aktivitäten der letzten Tage, die vor allem von SchülerInnen und StudentInnen getragen wurden, ist nun für morgen ein landesweiter Generalstreik angekündigt worden. Bei Indymedia gibt`s unter dem Titel: »Athen: Trauerfeiern werden zu erneutem Protest« eine interessante Zusammenfassung der Ereignisse, sowie ein »Interview zur Revolte in Griechenland« mit dem linken Schriftsteller Vassilis Vassilikos.


Großdemo am Abend des 8. Dezember in Athen


1 Antwort auf “vom krawall zur revolte”


  1. 1 Administrator 10. Dezember 2008 um 11:54 Uhr

    Hier ein kurze Stellungnahme des aus der Autonomia Operaia (Arbeiterautonomie)-Bewegung von 1977 hervorgegangenen „Rete dei Comunisti“ (Netzwerk der Kommunisten):

    Athen brennt! Ein Funke, der die Steppe des von der Krise erschütterten Europas entflammen könnte.

    Genau wie in Genua 2001 hat in Athen ein Polizist einen jugendlichen Demonstranten erschossen: Alexandros Andreas Grigoropoulos war gerade erst 16 Jahre alt.

    Die unaufhörliche Mobilisierung der griechischen Schüler, Studenten und Arbeiter gegen die Kürzung der Finanzmittel für das öffentliche Bildungswesen und gegen die Privatisierung der Universitäten hat die schwache und korrupte Regierung Karamanlis so nervös gemacht, dass sie die Bedingungen für den Mord an Andreas schuf. Erst die Zeugenaussagen der Passanten und der Ausbruch einer allgemeinen Rebellion in den Straßen ganz Griechenlands haben zur Verhaftung des mörderischen Polizisten geführt, was die Straflosigkeit der Repressionsapparate jedoch nicht in Frage stellt. Für die europäischen Regierungen, die durch die Mobilisierung der von der Krise, die die kapitalistische Welt erschüttert, betroffenen Sektoren in Schwierigkeiten geraten sind, gibt es eine starke Versuchung eine erdrückende Kontrolle und militärische Repression weiter zu verstärken, die faktisch jede Möglichkeit zu einer effektiven Ausübung der Demokratie nimmt. Die Sicherheitsapparate werden so immer unantastbarer, weil sie für Regierungen entscheidende Bedeutung bekommen, die in einer Legitimationskrise stecken, unfähig sind, auf die Krise in politischer Hinsicht zu reagieren und sich Massenunterstützung zu verschaffen.

    Die griechische Jugend hat auf diesen politischen Mord mit einer Rebellion reagiert, die ohne Gleichen ist und weiterhin die Straßen des ganzen Landes entflammt. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Nea Demokratia-Regierung und eine exemplarische Bestrafung der schuldigen Polizisten. Sie bringen aber auch die Wut derjenigen zum Ausdruck, die unter den Auswirkungen einer sehr harten Wirtschaftskrise leiden, von der die Eliten möchten, dass sie die arbeitenden Klassen bezahlen. Andreas ist das Opfer einer autoritären und proamerikanischen Rechten, aber auch einer autoritären Methode des Umgangs mit den sozialen Widersprüchen, die alle europäischen Regierungen vereint, egal welche Farbe sie haben. Die drakonischen Einschnitte im öffentlichen Bildungswesen und der Wille im Erziehungssystem wieder für eine sehr starke Klassenselektion zu sorgen, gehen auf einen Beschluss der Europäischen Union zurück und wurden in den einzelnen Ländern von sozialistischen, liberalen oder konservativen Regierungen durchgesetzt, weil sie beim Aufbau eines gegen die USA gerichteten, aber ebensolchen europäischen, geopolitischen Pols einen der wichtigsten Punkte bilden. Es ist kein Zufall, dass die griechische Sozialistische Partei (PASOK) weiter stammelt und sich nicht mit Entschlossenheit gegen eine Rechtsregierung wendet, obwohl diese, was den öffentlichen Konsens und die Stimmenmehrheit im Parlament anbelangt, extrem schwach ist.

    Es ist also Sache der Schüler, Studenten und Arbeiter, Sache eines neuen antikapitalistischen sozialen Blocks, mittels Kampf und Organisation auf den Versuch der herrschenden Klassen in Europa zu reagieren, die Krise mit Hilfe von Repression und Krieg unter den Armen zu bewältigen.

    Die weit verzweigte und entschlossene Antwort, die die griechischen Genossen derzeit geben, überrascht uns nicht: Sie ist das Produkt einer antikapitalistischen und Klassenlinken, die in den letzten Jahren nicht darauf verzichtet hat, sich im sozialen Konflikt und in den Jugend- und Massenbewegungen zu verankern und dabei jeder institutionalistischen Versuchung aus dem Weg zu gehen.

    Wir bringen unseren Schmerz und unsere Wut über die Tötung des jungen Genossen zum Ausdruck. Wir bekräftigen unsere volle und uneingeschränkte Solidarität mit den Organisationen der griechischen Linken, die beschlossen haben, mit der Mobilisierung auf den Mord an Andreas Grigoropoulos zu reagieren. Gemeinsam mit den griechischen Genossen fordern wir den Rücktritt der Regierung, das Ende der Straflosigkeit für die Repressionsorgane und die Rücknahme aller gegen die Massen gerichteten Maßnahmen in punkto Bildung und Arbeit. Wir fordern die italienischen Bewegungen auf, sich mit den griechischen in einem Kampf zu vereinen, der nur ein gemeinsamer sein kann, weil er dieselben Gegner hat.

    Rom, 8.Dezember 2008
    Rete dei Comunisti

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