ihr seid nicht vergessen

Innerhalb weniger Wochen sind gleich zwei Oldenburger Überlebende des deutschen Vernichtungswahns gestorben: Therese und Leo.
Im Alter von 97 Jahren verstarb am 2. September im kalifornische San Francisco der Oldenburger Ehrenbürger Leo Trepp. 1936 kam der damals 23 jährige nach Oldenburg und wurde der letzte Landesrabbiner der jüdischen Gemeinde der Stadt vor dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde er wie viele andere Oldenburger JüdInnen verhaftet und in das KZ Sachsenhausen deportiert. Mit der Auflage, Deutschland zu verlassen, wurde er nach 3 Wochen freigelassen, konnte nach England emigrieren und so den Nazis entkommen. Später ging er in die USA, wo er als Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften tätig war. Seit 1954 kam es des öfteren nach Oldenburg zurück, sprach vor Schulklassen über die Zeit des Nazifaschismus und unterstütze maßgeblich die Neu-Gründung der Jüdischen Gemeinde 1992 in Oldenburg.

Bereits am 16. August verstarb die Oldenburgerin Therese Hauer. Im März 1943 wurde sie als Jugendliche mit ihrer Familie ins »Zigeunerlager« des KZ Auschwitz deportiert. Einige ihrer Geschwister starben dort oder auf dem Todesmarsch nach der Auflösung des Lagers. Therese Hauer selbst kam noch ins KZ Ravensbrück und ein KZ in der Nähe von Berlin, bis sie endlich von der Roten Armee befreit wurde. In den fünfziger Jahren kehrte sie nach Oldenburg zurück und lebte dann hier mit ihrem ebenfalls vor kurzem verstorbenen Mann Martin. Der Verein »Werkstattfilm« führte über einen längeren Zeitraum verschiedene Gespräche mit Therese Hauer – eine kurze Zusammenfassung dieser Interviews gibt es auf der Seite »Focus Oldenburg«.

vergewaltiger haben wenig zu befürchten

Nach einer europäischen Vergleichsstudie der »London-Metropolitan University« und Statistiken des »Bundesverbandes der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe« (bff) wird jede siebte Frau in Deutschland einmal in ihrem Leben Opfer einer Vergewaltigung oder von schwerer sexueller Nötigung, aber nicht mal fünf Prozent zeigten die Tat an. Doch selbst wenn es zu einer Anzeige und einem Prozess kommt, haben die Vergewaltiger nicht viel zu befürchten: zwischen 2001 und 2006 wurden bei angezeigten Vergewaltigungen in Deutschland im Durchschnitt lediglich 13 Prozent der angeklagten Männer verurteilt. Die Verfahren werden am häufigsten wegen angeblich »unzureichender Beweislage« oder »mangelnder Kooperation der betroffenen Frauen« eingestellt. Eine psychische Beeinträchtigung der Frauen, die oft mit der Vergewaltigung einher geht, wirkt sich dabei besonders negativ auf die Chance einer Bestrafung des Täters aus. Zudem steht in jüngster Vergangenheit in der öffentlichen Wahrnehmung häufig der Verdacht einer falschen Beschuldigung im Raum.
Bei der Hälfte der Vergewaltigungen sind nach bff-Angaben die Täter übrigens die derzeitigen oder früheren Partner, weshalb auch in 69 Prozent der Fälle die eigene Wohnung Ort der Übergriffe war. Demgegenüber sind öffentliche Orte wie Straßen oder Parks, die oft als typische »Angstorte« gelten, mit 20 Prozent deutlich seltener Tatorte.

den armen an den kragen

Am 1. September wurde das neue Sparpaket der Regierung beschlossen, durch das die Staatsgeschenke in Milliardenhöhe an Banken und Konzerne refinanziert werden sollen. Das sogenannte »Haushaltsbegleitgesetz 2011« sieht u.a. vor, dass EmpfängerInnen von Arbeitslosengeld II kein Elterngeld (300 Euro/Monat) mehr bekommen. Für sie zahlt der Staat künftig auch keine Beiträge zur Rentenversicherung mehr ein. Wer/welche Wohngeld erhält, muss ohne den Zuschuss zu den Heizkosten auskommen. Der Zuschuss beim Übergang vom Arbeitslosengeld I zu II fällt weg. Die Arbeitsagenturen können zudem noch stärker selbst entscheiden, welche Leistungen sie anbieten. Einklagen lassen diese sich dann nicht mehr. Dadurch sollen bis 2014 um die 32 Milliarden Euro im sozialen Bereich eingespart werden. Also eine weitere wenig überraschende Umverteilung von unten nach oben und damit auch ein weiterer Grund endlich auf die Straße zu gehen – z.B. am 10.10.2010 in Oldenburg.

kein tag für die nation

»Am dritten Oktober 2010 jährt sich zum zwanzigsten mal die „Wiedervereinigung“ Deutschlands. Vom 2.-3. Oktober finden in Bremen die offiziellen Feierlichkeiten unter dem Motto „20 Jahre deutsche Einheit“ statt. Aufgeboten wird eine Melange aus Nena, dem Bundespräsidenten und deutschen Wurstbuden. Es soll ein deutsch-nationales Party-Event werden, bei dem die Deutsche Nation als historisch gewachsene Einheit und der Kapitalismus als wohlstandsbringende Ordnung präsentiert werden. Die Ursache der Teilung, der Nationalsozialismus, bleibt unerwähnt und die Geschichte wird umgedeutet, sodass das vereinte Deutschland wieder ein Anrecht auf Vormachtstellung in der Staatenkonkurrenz erhält. Was am 3. Oktober gefeiert wird, ist die Freiheit, das eigene Leben in Konkurrenz und (Lohn-)Arbeit verbringen zu dürfen und einer Nation anzugehören, die sich ihrer Geschichte nicht schämen muss. Wir werden diesem nationalistischen Event unsere Kritiken an den herrschenden Verhältnissen entgegenstellen«, so ein linkes Bündnis aus Bremen. Und neben einer bundesweiten Demo in Bremen am 2. Oktober 2010, um 16.30 Uhr ab dem Hauptbahnhof gibt es zur Kritkmaximierung am 11. September ab 10.00 Uhr im Infoladen Bremen (St.-Pauli-Str 10-12) einen Workshoptag als Vorbereitung auf die Proteste rund um den 3. Oktober. Info`s dazu findet ihr hier.

staatsschützer im ruhestand

Der »Erster Kriminalhauptkommissar« (EPHK) Günther Gramberg ist zum September nach fast 42 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet worden. Seit vielen Jahren war EPHK Gramberg Leiter des »Kommissariats für Staatsschutzdelikte« (4. Fachkommissariat) der Oldenburger Polizei und somit zumeist damit beschäftigt, linke AktivistInnen auszukundschaften. Die Nachfolge ist bisher noch offen – der Oldenburger Staatsschutz daher sozusagen kopflos.

charaktermaske sarrazin

Der (Sozial-)Rassist Thilo Sarrazin beherrscht seit Wochen mit seinen Thesen die Presselandschaft und wird vom deutschen Mob gefeiert. Einen interessanten Blick auf das Geschwafel des (noch) Vorsitzenden der Bundesbank wirft der Journalist Burkhard Schröder in seinem Text »Sie werden assimiliert, revisited«, der euch hier nun als Auszug präsentiert wird: »Man muss dem Kerl dankbar sein. Niemand spricht deutlicher aus, was das Kapital über die Ware Arbeitskraft denkt. Nicht vergessen: Sarrazin ist bei der Bundesbank. Die denken so, sie müssen so denken als Charaktermasken und Erfüllungsgehilfen der eisernen ökonomischen Gesetze. Wie Marx es schlicht formulierte: “Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag”. Sarrazin hält sich nicht mit Sozialgedöns auf, mit Pseudo-Moraltheologie à la Ex-Bischöfin K., das die Köpfe der Leute doch nur benebelt mit der irrigen Idee, man müsse nur genügend nett zueinander sein, damit der Kapitalismus Reichtum und Glück für alle schaffe. Sarrazin ist die Posaune des nackten Kapitalinteresses: Der Mensch ist kein Mensch, sondern nur die Ware Arbeitskraft, die nützlich ist oder eben nicht. Das Sarrazinsche Gefasel über den Islam ist irrelevant. Vor 150 Jahren hätte er den Katholizismus der eingewanderten Polen genommen, um Einwandererbashing zu betreiben. Der Titel des Buches führt in die Irre. Es geht um nur eine Frage: Wie soll das Deutsche an sich, das eine Fiktion ist, definiert werden, dass es dem Verwertungsinteresse dem Kapital am meisten nützt? Unnütze Esser steckt man heute nicht mehr ins KZ, sondern lässt sie gar nicht mehr hinein ins Land. Die industrielle Reservearmee ist schon groß genug, um die Arbeiter niederzuhalten und auszubeuten, ohne dass sie das Wort Rebellion auch nur buchstabieren könnten«.

… am hindukusch …

Im September gibt es im PFL zwei Veranstaltungen von »Filmriß – Förderung von Kino und Kultur in Oldenburg e.V.« und der »Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen« u.a. zum Krieg Deutschlands in Afghanistan. Am 15. September um 20 Uhr liest Marc Thörner au seinem Buch »Afghanistan-Code. Reportagen über Krieg, Fundamentalismus und Demokratie« (Eintritt: 6,- Euro/erm. 4,- Euro). Marc Thörner hat zwischen Juni 2008 und November 2009 als unabhängiger Journalist in Afghanistan recherchiert. Zeitweise war er bei der Bundeswehr, der französischen und der US-Armee »eingebettet«. »Thörner entlarvt mit chirurgischer Präzision den von vielen Medien angestimmten vermeintlichen Kampf der Kulturen … Eine dringend notwendige und preiswürdige Korrektur der Berichterstattung über die wahren Begünstigten der Kämpfe deutscher Soldaten am Hindukusch«, so die Jury zur Verleihung der Otto-Brenner-Preises. Am 22.09.2010 um 20 Uhr wird dann der Film »Nacht vor Augen» (D, 2008) von Brigitte Bertele gezeigt (Eintritt: 6,- Euro/erm. 4,- Euro), in welchem es um den 25-jährige Bundeswehrsoldat David geht, der nach einem Auslandseinsatz in Afghanistan zurück in sein Heimatdorf im Schwarzwald kommt. Er wird von einer inneren Unruhe geplagt, die in der ambivalenten Beziehung aus Spiel und Gewalt zu seinem Halbbruder Benni zum Ausdruck kommt und zu eskalieren droht.

ernsto on air

Wie berichtet war am 11. August mal wieder der inzwischen 93 jährige Sozialist Ernesto Kroch, welcher seit vielen Jahren in Montevideo lebt, zu Gast in Oldenburg. Für alle, die seine Veranstaltungen bisher verpasst haben, gibt es nun ein Radiointerview online. In der »Gesprächszeit« des »Nordwestradio« erzählte er über sein bewegtes Leben und seinen Kampf für ein Ende der Herrschaft des Menschen über den Menschen – zu finden ist das 5-teilige Gespräch hier. Darüber hinaus gibt es auch noch einen netten Bericht zweier Frauen von der Linkspartei über ihr Treffen mit Ernesto, welchen ihr hier findet.

keine abschiebung ins elend

Am Dienstag, dem 14. September gibt es um 20 Uhr im PFL unter dem Titel »Roma: Keine Abschiebung ins Elend und für Kinder und Jugendliche in ein völlig fremdes Land« eine Veranstaltung des »AK Asyl« mit Volker Maria Hügel über die Folgen des Roma-Rücknahmeabkommens, aufgrund dessen tausende Roma, welche vor über 10 Jahren vor dem Krieg in Ex-Jugoslawien geflüchtet waren, in den Kosovo abgeschoben werden sollen, wo sie unmenschliche Bedingungen erwarten. Allein aus Oldenburg und Ostfriesland sollen etwa 150 Menschen abgeschoben werden. Die ganze Veranstaltungsankündigung findet ihr hier.

ol crime, part 22

Nordwest-Zeitung vom 26.08.2010:
»Oldenburg – Mit einem Hubschrauber und mehreren Streifenwagen hat die Polizei am Mittwoch einen Ladendieb gejagt. Eingesetzt bei der Fahndung waren auch Hundeführer. Zweieinhalb Stunden nach dem Diebstahl im Famila-Center Wechloy konnte der beschuldigte 19-Jährige im Famila-Markt am Scheideweg gefasst werden. Ein Ladendetektiv im Famila-Center hatte den Rumänen kurz vor 15 Uhr beobachtet, wie er einen Rasierapparat im Wert von 39,30 Euro einsteckte und dann, ohne zu bezahlen, die Kasse passierte. Als der Detektiv den 19-Jährigen ansprach, ergriff dieser die Flucht. Der Detektiv bekam den Mann zwar noch zu fassen. Mit Schlägen gelang es dem 19-Jährigen, sich loszureißen. Er flüchtete Richtung Johann-Justus-Weg. Die Polizei umstellte das Gebiet. Die Absuche verlief erfolglos. Bei der weiteren Fahndung kam der Polizei Kommissar Zufall zu Hilfe. Der 19-Jährige tauchte später bei Famila am Scheideweg auf. Dort war inzwischen der zuvor in Wechloy tätige Detektiv eingesetzt. Er erkannte den Gesuchten wieder und stellte ihn.«


☞ Mehr »Kriminalität« gibt es hier.

»die nazis kamen, um zu töten«

Am 14. und 15. August kam es in Osteuropa zu zwei brutalen Angriffen von Nazis und rechten Hools auf antirasistische Fussballfans. Am 14. August griffen rund 100 Nazi-Hools (aus dem Umfeld des Fussballverein »Zenit St.Petersburg«) im Stadion »Zarskoe Selo« der russischen Stadt Pushkin während des Spiels zwischen den Amateurligisten »FC Karelien-Discovery Petrozavodks« und »Phosphoritt Kingisepp« die offen antirassistisch auftretenden SupporterInnen des »FC Karelien-Discovery« mit Messern, Axten, Schusswaffen, Reizgas, Flaschen, Steinen und herausgerissenen Sitzen an. Von den etwa 50 antirassistischen Fans mussten sieben mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus, dutzende erlitten Hämatome, Brüche, Kopfverletzungen und Gehirnerschütterungen. Zumindest gab es im Zuge der Auseinandersetzung auf der Stadiontribüne auch auf Seiten der Nazis einige Verletzte – die 9 anwesenden PolizistInnen versuchten weder in den Kampf einzugreifen, noch die AngreiferInnen festzunehmen. Mehrere ZeugInnen berichteten später, sie haben gesehen, wie einer der Angreifer einem Bullen die Hand geschüttelt habe.
Am 15. August kam es nach dem Spiel der Ukrainischen Bundesligisten »Arsenal Kiew« und »Volyn Lutsk« ebenfalls zu einem brutalen Überfall. Etwa 30 Arsenal-Fans, die sich in der Öffentlichkeit zum Antifaschismus bekennen, wurden auf dem Weg zur Metrostation mitten im Zentrum der Ukrainischen Hauptstadt von 50 Neonazis mit Messern, Schlagringen und Pfefferspray unter »Heil Hitler« und »White Power«-Rufen attackiert. Ein schon bewusstlos auf dem Boden liegender Antifaschist erhielt gezielt Messerstiche in den Oberkörper. Seine Lunge wurde dabei verletzt – sein Zustand ist nach einer Operation jedoch stabil. Ein anderer Antifaschist wurde mit herausgeschlagenen Zähnen, vorübergehendem Gedächtnisverlust und Gehirnverletzung ins Krankenhaus gebracht. Auch andere Arsenal-Fans erlitten unterschiedlichste Verletzungen. Direkt nach der Attacke nahm die Polizei vier der Angreifer fest. Einer von ihnen hatte ein blutüberströmtes Messer bei sich, andere hatten Blutspuren an den Händen. Die Polizei im Perchersk Bezirk weigert sich bisher, ein Strafverfahren zu eröffnen und bestreitet eine politisch motivierte Tat.
Weder der Angriff in Pushkin, noch der in Kiew sind als normale Fussballauseinandersetzungen abzutun. Es waren gezielte Angriffe von Nazis und ihren SympathiesantInnen auf das Leben antirassistischer Fans. »Die Nazis kamen nicht, um sich zu prügeln, sondern um zu töten«, sagte ein Fan des »FC Karelien-Discovery«. Angesichts der von den Faschos mitgeführten Waffen und der gezielen Messerstiche gegen einen Bewusstlosen sicherlich einige richtige Einschätzung – und leider keine Seltenheit im postsowietischen Osteuropa. Dutzende ermordete AntifaschistInnen in den letzten Jahren sind der traurige Beleg.

☞ »Versuchter Mord an linken Fans« indymedia.linksunten.org

hausbesuch als hilfestellung

Wenn Menschen beim Oldenburger Sozialamt einen Antrag auf Grundsicherung stellen, etwa weil sie aufgrund ihres Alters oder einer dauerhaften Erwerbsminderung endgültig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und/oder sie ihren Lebensunterhalt nicht durch eigenes Einkommen und Vermögen bestreiten können, stehen sie scheinbar unter einem generellen Betrugsverdacht. Denn jeder bzw. jede AntragstellerIn wird ersteinmal vom Außendienst des Sozialamts zu Hause aufgesucht, ausspioniert und dadurch eingeschüchtert. Die Menschen würden »routinemäßig in Angst und Schrecken versetzt«, so die Arbeitslosenselbsthilfe (ALSO). Erwartungsgemäß sieht das Sozialamt das ganz anders: »Der Hausbesuch sei als Hilfestellung anzusehen, da die Antragsteller häufig noch ungeklärte Fragen hätten, beispielsweise wie viel Geld sie zur Grundsicherung hinzuverdienen dürfen. Dies geschehe im Rahmen der gesetzlichen Beratungspflicht. Somit seien die Hausbesuche auch nicht rechtswidrig«, wird Stadtsprecherin Kerstin Geresser in der NWZ wiedergegeben. Na sicher – die 638 Leute, die im letzten Jahr diese Kontrolle über sich ergehen lassen mussten und die 1583 Personen, denen das selbe dieses Jahr bevorsteht, werden sich einen Keks über diese angenehme »Hilfestellung« gefreut haben. Ebenso wie wohl die 1700 Hartz-IV-EmpfängerInnen (von rund 17000 insgesamt), die 2009 vom Außendienst der ARGE zu Hause belästigt wurden – wofür es übrigens manchmal schon eine ebenso freundliche Revanche gegeben hat [Info].

☞ »Wenn das Sozialamt klingelt« NWZ, 25. Au­gust 2010

clean clothes campaign

Am Dienstag, 7. September, gibt es um 19.30 Uhr im PFL (Peterstraße) eine Veranstaltung von »attac Oldenburg« zur »Clean Clothes Campaign – Kampagne für saubere Kleidung«, welche sich für die Interessen der ArbeiterInnen – überwiegend Frauen – in der Bekleidungs- und Sportindustrie einsetzt, die unter widrigsten Bedingungen in der dritten Welt produzieren lässt. Langfristiges Ziel der Kampagne ist es, fair produzierte Kleidung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen, ausreichende Löhne und gewerkschaftliche Rechte für die Näherinnen durchzusetzen. Bei der Veranstaltung mit der Bremer Diplom-Pädagogin Edith Laudowicz, welche sich u.a. mit der weltweiten Frauenbewegung beschäftigt, sollen die Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse der Näherinnen in der dritten Welt aufgezeigt und erläutert werden, wie Industrie und KonsumentInnen aus der Ausbeutung Gewinn schlagen. Auch die Praxis deutscher Modediscounter, wie etwa kik, sollen erklärt und mögliche Formen des Widerstands besprochen werden.

yoyo world contest 2010



[via]

antisexistischer input³

Fast alle schreiben es sich auf ihre Fahne, doch Debatten oder Praxen zu diesem Themenfeld sind oft rar gesät: Antisexismus. Anlässlich der »Frau­en­Les­ben­Trans/Wal­pur­gis­de­mo« [Info] am 30. April in Oldenburg gab es bei vielen reichlichen Diskussionsbedarf und gleichzeitig die Erkenntnis, dass es an Input zu dem Thema fehlt. Letzterem wird nun mit drei Veranstaltungen Ende August erstmal Abhilfe geschaffen. Los geht`s wie bereits berichtet mit der Vorstellung des Buches »Die Kör­per der Mul­ti­tu­de. Von der se­xu­el­len Re­vo­lu­ti­on zum queer fe­mi­nis­ti­schen Auf­stand« [Info] am 24. August (21 Uhr, Alhambra). Am Samstag, 28. August gibt es dann von 16-18 Uhr im Alhambra einen einführenden Workshop zum »Zustimmungskonzept« [Info], womit das freiwilige und ausdrückliche Einverständnis aller Beteiligten zu einer spezifischen sexuellen Handlung, bevor es zu dieser kommt, gemeint ist – also (in etwa) eine Ergänzung des »NO means NO« um ein »YES means YES«. Am Dienstag, 31. August lädt dann das »Antisexistische Bündnis Rostock« zu einem Diskussionsabend über antisexistische Praxen [Info] um 20 Uhr ins Alhambra ein. Anhand der Diskussionen und Probleme bei der Um- und Durchsetzung des Rostocker »grrrlz* Daiy«, einem monatlichen Cafe-Abend für Nicht-Männer, soll über queer-feministische Praxen und Sexismus und Homo-/Transphobie innerhalb linker Räume diskutiert werden.